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keine Augen besaßen, also nie in die vom Tageslichte durchdrungenen Schichten hinaufkamen. Nur der Schellfisch, der überhaupt von allen Fischen am tiefsten taucht, verirrte sich manchmal hierher. Außerdem fiel auch die große Zahl von Polypen auf, die sich durch ihre Größe auszeichneten. Ihr Durchmesser betrug manchmal einen Meter, daher konnten sie also sehr wohl schon einem Menschen gefährlich werden. Sie schleppten sich hin und her, indem sie sich mit den Fangarmen, deren größter so dick wie ein Handgelenk war, am Boden festsaugten und so fortzogen, um auf Fische Jagd zu machen.

Richard war nicht auf Abenteuer ausgegangen, sondern auf eine Forschungsexpedition. So studierte er die Pflanzen und Tiere, fing Fische und untersuchte sie und stellte auch Experimente zur Erkenntnis der hier unten herrschenden physikalischen Gesetze an, indem er den Wasserdruck maß, die Schallwellen prüfte und so weiter.

Den großen Polypen schenkte er keine Beachtung, denn es waren ganz genau dieselben, wie sie sich in den höchsten Schichten des Meeres aufhalten, nur daß sie hier unter dem starken Drucke entsprechend größere Dimensionen angenommen hatten, wenn auch noch lange nicht jene ungeheuren, wie sie nicht nur in den Köpfen von Seeleuten und Fischern spuken, sondern auch in Wirklichkeit vorhanden sind, wie zum Beispiel einst an der norwegischen Küste solch ein riesiges Ungestüm strandete, das wohl fähig war, mit seinen Fangarmen selbst einem großen Schiffe verderblich zu werden.

Allein Richard hatte die Gefährlichkeit dieser Polypen unterschätzt, denn plötzlich fühlte er sich von hinten erfaßt und mit starker Gewalt nach rückwärts gezogen, und wie er sich umwandte, war er schon von Fangarmen umschlungen. Allerdings genügten einige Schnitte mit seinem Messer, um sich wieder von dem Polypen zu befreien, der sich an ihn festgesaugt hatte, aber der Schreck war doch ein ungeheurer gewesen und die Muskelkraft dieser Weichtiere eine gar nicht zu unterschätzende. Dann machte Richard auch noch eine andere unangenehme

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/12&oldid=- (Version vom 31.7.2018)