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gewußt hatte. Ebenso machte auch das Telephon unter Wasser die Stimme rauh und drohend.

Wahrhaftig, wenn Auge und Gesicht der Spiegel der Seele sind, so hatte er von diesen Männern nichts zu fürchten!

„Nun, willst Du Dich nicht ausziehen, Nummer Sechsundzwanzig?“ lachte ihm sein gefälliger Lehrer ins Telephon. „Du bist nicht mehr im Wasser, das mußt Du doch schon an der Schwere Deiner Beine merken.“

Der freundliche Mann war ihm auch noch behilflich, den Helm abzuschrauben. Jetzt nahte die Entdeckung, und sie kam noch eher, als man sein Gesicht richtig gesehen hatte.

„Wer ruft Nummer Sechsundzwanzig? Hier bin ich.“

Mit diesen Worten sprang nämlich ein mit Richard gleichaltriger Knabe herbei.

„Nummer Sechsundzwanzig! Der Schiffsjunge!“ erklang es da in grenzenlosem Staunen. „Ja, wer ist denn aber das?!“

Der Helm war abgenommen, Richards gebräuntes Antlitz zeigte sich.

Eine Bewegung der Bestürzung ging durch die Reihen der Umstehenden.

„Ein Fremder! In unserem Taucheranzug! Unsere Geheimnisse sind verraten worden!“

„Nein, sie sind nicht verraten worden,“ entgegnete Richard mit fester Stimme, „alle diese Erfindungen entspringen meinem eigenen Kopfe; hier waltet nur ein höchst sonderbarer Zufall ob.“

Die Männer beruhigten sich schnell, wenn ihr Staunen auch blieb; ebensowenig veränderte sich ihr milder Gesichtsausdruck.

„Wer Du auch seiest,“ nahm der Aelteste das Wort, „zu fürchten hast Du von uns nichts. Auch wir sind Menschen wie Du, und zwar gute Menschen. Entledige Dich vollends Deines Taucheranzuges, dann folge mir. Ich werde dem Meister Meldung machen, er wird entscheiden.“

Richard zog jetzt das Kostüm aus, unter dem er noch einen bequemen Anzug trug, und folgte dem Führer.




Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/24&oldid=- (Version vom 31.7.2018)