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auch Flaschen und Gläser, doch als er schnell hinzusprang, kam er schon zu spät, um den Mechanismus zu beobachten, und konnte nur so viel erkennen, daß der Tisch unten nichts weiter besaß, als eine starke Stütze, durch welche Speisen und Getränke spaziert sein mußten. Zauberei war das nun freilich nicht, wohl aber eine sehr sinnreiche und praktische Einrichtung.

Was da vor ihm stand, sah gerade so aus wie ein großes, appetitlich gebratenes Beefsteak, Kartoffeln und Spinat; die Flaschen aber enthielten Weiß- und Rotwein, ein besonderes Glas Milch; und ebenso wie die Speisen aussahen, schmeckten sie auch. Richard ließ es sich daher trefflich munden; Messer, Gabel und Löffel waren silberne Künstlerarbeiten, und spanische Namen waren darin eingraviert. Jedenfalls waren sie Funde aus gesunkenen Schiffen. Daher stammte sicherlich auch das kostbare, chinesische Porzellan. Das Beefsteak, die Milch und anderes ließen aber darauf schließen, daß die geheimnisvollen Taucher trotz ihrer kreideweißen Gesichtsfarbe, die von dem Fehlen des Sonnenlichtes herrührte, noch immer mit der Erdoberfläche in Verbindung standen.

Richard hatte die Schüsseln eben geleert, als sich die Platte in der Ecke hob, und der alte Mann wieder auftauchte. Wahrscheinlich mußte der Speisende beobachtet worden sein, weil der Führer so rechtzeitig eintraf.

„Bist Du bereit, mir zu folgen?“ fragte dieser.

„Ich bin bereit.“

Diesmal ging der Fahrstuhl nach oben, und bald stand Richard in einem mit Büchern und physikalischen Apparaten vollgepfropften Studierzimmer vor einem weißbärtigen Greise, dessen Gestalt von einem meergrünen Gewande umflossen war. Auch dieses Gesicht war weiß und ernst, und ebenso ruhig und freundlich wie dasjenige des anderen. Auf alle diese Gesichter hatte ein ungetrübter Seelenfriede seinen Stempel gedrückt – das war es, was Richard jetzt erkannte.

Die großen, blauen, scharfen Augen des Greises ruhten mit unverkennbarem Staunen auf Richard.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)