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Die Flucht.

Richard war ein Gefangener, obgleich er das nicht im geringsten zu fühlen bekam.

Frei wie jeder andere konnte er sich bewegen, alle Räume standen ihm zur Verfügung, er konnte treiben, was ihm beliebte, niemand hielt ihn zu irgend etwas an.

Da er nun einmal hier war, benutzte er die Gelegenheit, sich umzusehen. Der ganze Felsenberg, die Seeburg genannt, war inwendig ausgehöhlt worden, über und unter Wasser und selbst noch unter dem Meeresboden. Das war die Wohnung und die Werkstätte der Kolonisten, angefüllt mit den Schätzen von gesunkenen Schiffen und mit Erzeugnissen des menschlichen Geistes und Fleißes.

Mit einer Beschreibung der wunderbaren Maschinen und Vorrichtungen wollen wir lieber gar nicht erst anfangen und erwähnen nur, daß zur Erzeugung der Elektricität die Kraft der Meeresströmungen benutzt wurde.

Einige Tage vergingen so dem immer von neuem staunenden Richard wie im Fluge, und wirklich, er bekam Lust, hier thätlich mitzuwirken. Gern beschäftigte man ihn in den Werkstätten, und so verstrichen rasch die Wochen.

Dann tauchte doch wieder der Gedanke in Richard auf, daß er nicht sein ganzes Leben hier bleiben könne. Dazu fühlte er sich nicht geschaffen.

Als er eines Tages bat, auch einmal auf dem Meeresboden spazieren gehen zu dürfen, führte ihn jener alte, freundliche Mann, der ihm als Lehrer und Erklärer beigegeben worden war, in die Rüstkammer, wo Richard sein eigenes Taucherkostüm sah und anzog.

Geheimnisvolle Thüren öffneten sich, dann umfloß ihn Wasser, und er wanderte mit seinem Mentor auf dem Meeresgrunde. Das war so belehrend, daß er beschloß, nicht eher an einen Fluchtversuch zu denken, als bis er hier unten alles kennen gelernt hatte.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/31&oldid=3271714 (Version vom 31.7.2018)