Seite:Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde.pdf/32

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Ja, wie wollte man ihn denn eigentlich an einer Flucht hindern? Diesem alten Manne konnte er doch bald entkommen! Das Luftreservoir war wieder für 100 Stunden gefüllt, damit vermochte er schon weit zu kommen. Ab und zu konnte er ja auch in die Höhe steigen und nach einem Schiffe ausspähen – er wollte es doch gleich einmal probieren.

Aber es ging nicht mehr. Die Vorrichtung, sich zu heben und wieder schwerer zu machen, die Schwimmblase war von dem Kostüm entfernt worden. Keiner der Taucher besaß sie. War das nicht eine Vorsichtsmaßregel des Meisters? Es schien so. Nun, dann mußte Richard also so lange auf dem Meeresgrunde wandern, bis er eine Küste erreichte. Aber wo befand er sich denn überhaupt?

Richard hatte keine Ahnung. Von jenem Felsenberge im atlantischen Ocean, den alle Schiffer kennen sollten, war ihm gar nichts bekannt. Er fand nichts davon auf einer Seekarte, niemand wußte oder wollte wissen, wo er sei, und jeder behauptete, das wäre ja ganz gleichgültig.

Da erkannte Richard, wie schlau es vom Meister gewesen war, die Schwimmblase zu entfernen. Denn um die geographische Lage zu bestimmen oder sich doch einigermaßen orientieren zu können, dazu muß man die Sonne und andere Gestirne beobachten, und diese Möglichkeit war Richard jetzt genommen. Auf dem Meeresgrunde aber einfach aufs Geratewohl fortzumarschieren, das wäre der sichere Tod gewesen.

Trotzdem ließ Richard die Hoffnung nicht sinken, dereinst doch fortzukommen. Vorläufig gab er sich allerdings gar nicht mit Fluchtgedanken ab, er wartete aber auf Fingerzeige und Gelegenheiten und nahm unterdessen an den Arbeiten der Seekolonisten auf dem Meeresgrunde teil, um alles kennen zu lernen. Er arbeitete mit in den unterirdischen Bergwerken, beförderte Kohle, Eisen und andere Rohstoffe herauf, er stieg bis auf zweitausend Meter hinab in Regionen, in denen jegliches Leben erloschen war, er bestand zahllose interessante Abenteuer und machte Jagden mit. So verstrichen Monate,

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/32&oldid=- (Version vom 31.7.2018)