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Exzellenz packte ihre Arbeit zusammen … Ihr Gesicht war bekümmert.

„Ach, Sigi, – ich werde doch erst übermorgen fertig,“ meinte sie ganz kläglich. „Wieviel Wirtschaftsgeld haben wir eigentlich noch …?“

„Eine Mark und dreißig Pfennig …“

Dann haschte Sigi aber nach den Händen der Mutter und fügte lachend hinzu:

„Heute haben wir so viel … Morgen bekomme ich für die Abschrift achtzehn Mark und fünfundsiebzig Pfennig. Ich habe es schon ausgerechnet …“

„Gott sei Dank!“ Und Frau von Lauken nickte ihrer Tochter freudig zu. Der Blick wurde zärtlich und gütig. „Bist ja doch mein wackeres Mädel, Du – Du Kindskopf …“

„Trotz der Antenne …!! – O Mutti, ich bin ganz etwas anderes … – eine Heuchlerin!“

„Du – – Heuchlerin?! Mit Deinem vorlauten Mundwerk …!“ Exzellenz lachte und erhob sich, begann dann die Betten für sich und Sigi auf den beiden Diwanen herzurichten, die jeder in einem der Zimmer standen. Die anderen drei Räume der Wohnung hatte Exzellenz vermietet.

Sigi half der Mutter.

Und zehn Minuten nach Mitternacht war sie im sogenannten Salon allein, und das war das Erkerzimmer, in dem Mutter und Kind jeden Abend so fleißig schafften.

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Die Antenne im fünften Stock. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Antenne_im_f%C3%BCnften_Stock.pdf/10&oldid=- (Version vom 31.7.2018)