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Liebe auf den ersten Blick ein Mädchenherz jetzt qualvoll ängstigte …

Liebe und Leid …! Beides war über die heitere, frische Sigi gekommen …

Und Sieglinde seufzte schmerzlich, erhob sich und schlich in den Flur, schob den zum Röllchen zusammengedrehten Zettel in das Schlüsselloch …

Dann entkleidete sie sich langsam …

Ihre Gedanken waren bei Thomas Eriksen …

Und ein paar Tränlein rannen plötzlich über Sigis Wangen …

Liebe und – Leid …

Und gerade ihr mußte das Schicksal diese Herzensprüfungen aufbürden – gerade ihr, die bisher so achtlos an allen Männern vorübergegangen war, die kaum eine Backfischschwärmerei gehabt hatte … –

Sie konnte nicht einschlafen …

Sie horchte nur immer, ob Herr Haberlein nicht heimkehrte …

Der war jetzt ihr einziger Trost … Der würde die Wahrheit an den Tag bringen …

Und dann erbarmte sich doch der Schlummer mitleidig dieses jungen Geschöpfs, das, im Glanze aufgewachsen, jetzt so tapfer den Kampf mit dem harten Dasein führte.

Liebe und Leid …

Kein Tröster erschien – kein Haberlein …

Es wurde zehn Uhr vormittags – elf Uhr …

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Die Antenne im fünften Stock. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1926, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Antenne_im_f%C3%BCnften_Stock.pdf/61&oldid=- (Version vom 31.7.2018)