Seite:Die Behandlung der Kolonisten in der Provinz St. Paulo in Brasilien und deren Erhebung gegen ihre Bedrucker.pdf/132

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wir trafen noch die Abrede, daß ich einige Zeit später zu ihm nach St. Joao, ungefähr 3½ Stunden von Ybicaba, kommen solle, wo er mir dann seine Ansicht offen mittheilen und nach Verbesserung der allfälligen Fehler die Versendung meines Berichtes besorgen wolle. Auf diese Weise glaubte ich, die Sachen am besten machen zu können. Herr Dr. Gattiker benahm sich von Anfang an gegen mich und die andern Kolonisten gar freundlich und theilnehmend und äußerte sich über das Kolonisationswesen in solcher Weise, daß ich gar kein Mißtrauen in ihn setzte und ihm den Bericht ruhig überließ. Ich will auch jetzt noch nicht behaupten, daß er mich vorsätzlich verrathen und ins Unglück habe stürzen wollen; ich konnte nicht sehen, wie Herr Direktor Jonas zu meinem Berichte kam; aber das ist wahr, daß mein Bericht, während Herr Dr. Gattiker ihn behufs der Prüfung in Verwahrung hatte oder haben sollte, in die Hände des Herrn Direktors Jonas und wahrscheinlich auch in diejenigen des Herrn Administrator Luiz Vergueiro gerieth, und daß ich dadurch in eine gar schlimme Lage gekommen bin. Ehe ich aber dieses erfuhr, ging ich zufolge der getroffenen Abrede nach St. Joao zum Herrn Dr. Gattiker und verweilte allda in Folge meiner schrecklichen Müdigkeit (meine 12 wöchige Krankheit war noch nicht lange vorüber, und das Marschiren ermüdet in Brasilien auch den gesunden Mann gar sehr) 3 Tage lang, vom 26. bis zum 29. Januar 1856. Während dieses Besuches, bei welchem ich mich der freundlichsten und besten Verpflegung zu erfreuen hatte, traten wir auf meinen Bericht ein, und Herr Doktor äußerte sich darüber zu mir ungefähr folgendermaßen: „Ihr Bericht ist ganz wahr; aber um Gotteswillen verschicken Sie ihn nicht. Es verfließen kaum 2 bis 3 Monate, so erfährt Herr Vergueiro durch seine Agenten, was Sie geschrieben haben, und dann stehen Sie in der größesten Gefahr. Ich kenne Vergueiro durch und durch und weiß, was Ihnen bevorsteht, wenn Sie den Bericht versenden. Wenn Sie auch auf Ihre Person keine Rücksicht nehmen wollten, so denken Sie doch an Ihre Frau und Kinder und schonen