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zur Reinigung übergeben. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die beiden Funktionen, Schuhbürsten und Waschen – von dem gleichen Unternehmen ausgeübt sein werden.

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Die Messer zu reinigen, sich beim Waschen die Haut zu zerschinden und durch das Wringen der Wäsche sich krumme Finger zuzuziehen, die Stuben zu kehren oder die Teppiche zu klopfen – mit der unvermeidlichen Folge, daß sich überall Staub ansetzt, den man wieder erst mit großer Mühe beseitigen muß, alles dies ist heute noch die Aufgabe der Frau, weil sie einmal unsere Sklavin ist; aber alles dieses ist auch im Schwinden begriffen, alle diese Funktionen lassen sich unendlich besser von einer Maschine versehen; und diese Maschinen aller Art werden ihren Einzug in die Haushaltungen halten, sobald es durch Anwendung des Prinzips der Kraftverteilung, auch auf die Haushaltungen ausgedehnt, möglich wird, erstere ohne Aufwand an Muskelkraft in Bewegung zu setzen.

Alle diese Maschinen kosten sehr wenig und wenn wir sie heute noch sehr teuer bezahlen, so rührt das daher, daß sie noch nicht in allgemeinem Gebrauche sind und namentlich weil auf ihnen eine ungeheure Steuer liegt, welche jene Herren, die auf den Grund und Boden, die Rohstoffe, die Fabrikation, den Verkauf, das Patent usw. spekulieret haben und sich dafür den unsinnigen Luxus erlauben, einstecken.

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Doch die kleine Maschine in der Haushaltung ist nicht das letzte Wort in der Befreiung der häuslichen Arbeit. Die Haushaltung wird andererseits aus ihrer gegenwärtigen Isolierung herausgehen; sie wird sich mit anderen Haushaltungen assoziieren, um in Gemeinschaft und leicht das auszuführen, was heute unter großer Kraftverschwendung in jeder getrennt geschieht.

In der Tat, die Zukunft besteht nicht nur darin, für jede Wirtschaft eine Maschine zum Bürsten der Schuhe und andere zum Waschen der Teller, eine dritte zum Reinigen der Wäsche u. s. f. zu haben. Die Zukunft wird auch eine gemeinschaftliche Heizanlage bringen, welche die Wärme in jedes Zimmer eines jeden Quartiers entsendet und das Anzünden eines Feuers ersparen wird. Dieses ist heute schon in einzelnen amerikanischen Städten der Fall. Ein großer Herd entsendet in alle Häuser, in alle Zimmer warmes Wasser. Dieses Wasser zirkuliert in Röhren, und um die Temperatur zu regulieren, braucht man nur einen Hahn zu drehen. Und wenn man außerdem wünscht, ein flammendes Feuer in dem und dem Zimmer zu haben, so hat man für diesen Zweck speziell eingerichtete Gasleitungen, die man nur anzuzünden braucht, – das Heizgas wird aus einem Zentralreservoir zu diesem Zweck in die Wohnung geleitet. Jener ganze Dienst, der im Reinigen des Kamins und der Unterhaltung des Feuers besteht – die Frau weiß, wieviel Zeit er erfordert – ist gleichfalls im Verschwinden begriffen.

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 95. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/111&oldid=- (Version vom 3.6.2018)