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eines einzelnen Sinnes gezwungen sei, wie zum Beispiel die Raubvögel hinsichtlich ihrer Sehschärfe, vierfüßige Raubtiere wieder hinsichtlich des Geruchs und Gehörs. –

Nachdem Blenkner bei dieser Gelegenheit erkannt hatte, daß derartige Gespräche wissenschaftlichen Inhalts bei dem Freundespaare lebhafte Teilnahme fanden, berührte er häufiger einen ähnlichen Gegenstand, der zum Meinungsaustausch anregte. Dann aber sorgte er auch in anderer Weise für eine die trüben Gedanken ablenkende Zerstreuung. Es gelang ihm nämlich, eine leidlich hell und sparsam brennende Tranlampe und … eine Art Brettspiel ureigenster Erfindung herzustellen, dessen Spielregeln er mit der Zeit recht verzwickt gestaltete. Er hatte dann auch die Genugtuung, daß Balder und Plautsack bald mit wahrer Leidenschaft sich dieser neuen Zerstreuung hingaben, die daher für eine Weile äußerst wohltuend das eintönige Leben in dem unterirdischen Gefängnis beeinflußte.

Was die Gefährten am meisten vermißten, war die Abwechslung in dem täglichen Speisenzettel. Dieser wies nämlich nur drei Gerichte auf: Höhlenfisch gebraten (in Tran!!), Höhlenfisch gekocht und eine Suppe, die aus Kommißbrotstückchen oder den Zwiebacken der eisernen Ration bestand – und von Tag zu Tag dünner wurde. Alles mußte völlig ungesalzen genossen werden, da dieses Gewürz unseren Feldgrauen vollkommen fehlte. Daß die drei nun schon seit drei Wochen in der dunklen, kühlen Grotte Eingeschlossenen bei dieser Ernährung langsam abmagerten und ihre körperliche und geistige Spannkraft allmählich schwinden fühlten, war nur zu sehr erklärlich.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/37&oldid=- (Version vom 31.7.2018)