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dahineilenden Tiere und die schnatternde Unterhaltung der braunen Diener gaben hier in der endlosen Einsamkeit der Sandwüste eine eigenartige Musik ab. Wenigstens hatte Tümmler diese Symphonie von künstlichen und natürlichen Lauten gelegentlich als Musik bezeichnet. – „In dieser drückenden Stille empfindet man jeden Ton wie eine Wohltat“, hatte er gesagt.

Weiter und weiter trabte der kleine Zug. Zehn Tage war man nun bereits unterwegs, nachdem man, um etwaige Verfolger aus Aden irrezuführen, erst zwei Tage lang die Richtung nach Nordwest eingehalten hatte und dann erst nach Nordost abgeschwenkt war, wie „Herr Ali Mompo“ es vorgeschlagen hatte.

Ali Mompo war eine Perle. Als Mischling zwischen Somali-Neger und Araber hatte er von beiden Völkern nur die guten Eigenschaften geerbt, hatte lange Jahre in Ostafrika auf deutschen Plantagen gearbeitet und war dann erst Fremden-, und zwar Wüstenführer in Aden geworden. Er liebte die Deutschen, behauptete sogar „sehr gute Deutsch zu spreche“ und hatte sich mit Freuden bereiterklärt, den drei Gefährten nach besten Kräften behilflich zu sein, das mit dem seltsamen Ballon verknüpfte Geheimnis aufzuklären. –

Kaum hatte Fritz Tümmler dem kleinen Rothaarigen Hilfe für den „Sitzteil“ zugesichert, als Mompo sein Reittier geschickt neben das des Ingenieurs lenkte, mit der Hand nach vorwärts deutete und sagte:

„Sehr gnädiger Herr Inigör, – dort Menschen kommen. Nicht gut das sein für uns. Gewehre in Hand nehmen. Besser sein so, als zu spät.“

Dann ließ er sein Dromedar in Schritt fallen und holte aus dem starken Leinenfutteral, das am Sattel befestigt war, einen Karabiner hervor, ein französisches Modell, das er in Aden heimlich angekauft hatte. Auch die Schußwaffen für die drei Freunde waren von ihm besorgt worden, – keine ganz einfache Sache, da England den Waffenhandel in Aden sehr scharf überwacht.

Der Ingenieur, der stillschweigend als Anführer der Karawane allseits betrachtet wurde, griff nach seinem Fernglas. – „Es sind fünf Reiter zu Pferde“, erklärte er

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Schlucht in der Wüste. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Schlucht_in_der_W%C3%BCste.pdf/10&oldid=- (Version vom 31.7.2018)