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und daß die Beduinen sich dessen zur Bändigung besonders wilder Pferde und gelegentlich auch als Arznei bedienten. – Weiter setzte er dann ganz eingehend seinen Plan auseinander, wie man in Besitz mehrerer Maulesel gelangen könnte, wenn man nur etwas Glück hätte.

„Die Geschichte ist recht einleuchtend“, meinte der rote Knirps geradezu begeistert. „Ich mache mit Freuden mit.“

Über des Mischlings dunkelbronzenes, stolzes Gesicht glitt wie so oft, wenn der kleine Dicke seinen „Keller-Baß“ ertönen ließ, der Anflug eines heiteren Lächelns. Ali Mompo dachte daran, daß diese Jagd an die Beine des deutschen „Massa“ recht hohe Anforderungen stellen würde. Und das Laufen war nicht gerade Knirpsens starke Seite. Immerhin zog er es aber einem Kamelritt doch noch vor … –

Die nächsten Tage waren die Gefährten eifrig damit beschäftigt, Schlafgras zu sammeln, das dann in einem schüsselförmigen Stein, der als Kochtopf diente, ausgekocht wurde. Den Abguß sammelte man in Schläuchen, die der Somali aus den Fellen der erlegten Tiere sehr geschickt hergestellt hatte. Dann wurde eines Morgens recht früh nach jener Talsenkung aufgebrochen, in der, wie Ali Mompo festgestellt hatte, die Maulesel sich jetzt regelmäßig jeden Abend von weither einfanden, um das kräftige Gras abzuweiden. Die scheuen Tiere hatten ihre Gewohnheiten also inzwischen insoweit geändert, als sie die weite Mulde nicht mehr als festen Standort benutzten. Vielleicht fürchteten sie, daß durch ihre stete Anwesenheit der Beherrscher der Wüste, der Herr mit dem dicken Kopf, angelockt werden könnte.

Der Weg durch das Sandmeer der arabischen Einöde, deren schreckliche Eintönigkeit nur hier und dort durch vereinzelte kahle Felsgruppen und spärliche, dürre Flächen von Steppenkräutern unterbrochen wurde, beanspruchte volle drei Stunden. Die Männer gingen zu Fuß. Das Reitkamel Mompos trug die Schläuche. Der rote Knirps hielt sich zunächst ganz vorn. Als aber erst die Sonne hochkam und es ungemütlich warm wurde, „verschwachte“ er schnell, begann zu stöhnen, wischte sich

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W. Belka: Die Schlucht in der Wüste. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Schlucht_in_der_W%C3%BCste.pdf/22&oldid=- (Version vom 31.7.2018)