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immer häufiger den rinnenden Schweiß und warf sich dann mit einemmal im Schatten einiger Felstrümmer nieder, die gerade hier wie ein phantastisches Gebilde, ähnlich einer Burgruine, aus den Sandmassen sich herausreckten. – „Ich kann nicht mehr weiter“, stöhnte er kläglich. „Wirklich – ich kann nicht mehr. Ich wette tausend Mark: noch hundert Schritt zu Fuß, und mich trifft der Schlag!“

So ließ man ihn denn an dieser Stelle zurück, wo er vor jeder Gefahr sicher war, da er sich hier bequem verbergen konnte. – Die drei anderen setzten ihren Weg fort, schlugen sogar eine raschere Gangart ein. Der Knirps war für sie nur ein Hemmschuh gewesen.

In der Talsenkung angelangt, führte der Mischling die beiden weißen „gnädig Herr“ zu einem zwischen Steingeröll halb verborgenen, winzigen Wassertümpel, der dem Wilde als Tränke diente und auch von anderen Tieren, nicht nur den Mauleseln, aufgesucht wurde, wie die zahlreichen Spuren ringsum bewiesen. Durch flache Steine deckte man diese für die Wüste und ihre vierbeinigen Bewohner so überaus wertvolle Pfütze, die sicherlich aus den tiefen der Erde durch einen kleinen Quell gespeist wurde, völlig zu, nachdem in der Nähe ein schon vorher von dem Somali ausgesuchter großer, niedriger Felsblock, der in der Mitte eine Vertiefung hatte, durch Abstützen mit Steinen horizontal gelegt worden war, damit das in die Vertiefung gegossene Wasser aus den Schläuchen nicht seitwärts abfloß.

Erst um die Mittagsstunde waren die drei Gefährten mit diesen Vorarbeiten fertig und traten den Rückmarsch an. Die gefüllten Schläuche waren vorher recht tief im Sande vergraben worden, damit der Inhalt nicht verdunstete, denn erst nachmittags sollte der Mischling den natürlichen Wassertrog füllen.

Der rote Knirps lag und schnarchte wie ein Sägewerk, als die Heimkehrenden ihn in der Felsruine fanden. Merkwürdigerweise behauptete er dann mit aller Bestimmtheit, daß er vor etwa zwei Stunden in der Ferne ein Tier beobachtet habe, in dem er einen Löwen erkannt zu haben glaubte. – Seine Erzählung stieß bei

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W. Belka: Die Schlucht in der Wüste. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Schlucht_in_der_W%C3%BCste.pdf/23&oldid=- (Version vom 31.7.2018)