Seite:Die Totenstadt.pdf/26

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Die Pflanzenwelt hatte jetzt ganz einen tropischen Charakter angenommen, dafür hatten der botanische Garten und dann Wandervögel gesorgt, die den Samen aus allen Weltteilen mitbrachten. Es hatten sich auch neue Vogelarten als ständige Bewohner eingestellt, aber die andere Tierwelt blieb dieselbe, nur daß die vorhandenen Tiere an Größe zunahmen. Er hatte schon eine Ringelnatter von zwei Meter Länge gefunden und eine fast nicht minder große Kreuzotter, er hatte gesehen, wie die erstere eine Ratte von der Größe einer echten Bulldogge – etwa einen viertel Meter hoch – angriff und in ihrer Umschlingung erdrückte.

Dieses Wachsen der Tiere war Richard teils ein Rätsel, teils hatte er sich durch Lesen und eigenes Nachdenken einiges Verständnis dafür verschafft.

Es ist hier in dem kurzen Rahmen dieser Erzählung die Erklärung nicht möglich, dazu gehört das Studium der Werke solcher Gelehrten, die sich mit ähnlichen Fällen beschäftigt haben, wie zum Beispiel Darwin. Es war ein Walten der Natur, die sich selbst zu helfen weiß, indem sie Tierarten, die sie nicht mehr braucht, aussterben läßt, und anderen forthilft, um vom Geschick vernachlässigten beizustehen und neue zu erzeugen – wenn sie solche braucht.

Als Beispiel dafür, daß die Natur die Welt regiert und sich nichts vorschreiben läßt, sondern selbstständig denkt und arbeitet, daß alles das notwendig ist, was sie erschafft, mag nur eine verbürgte Geschichte erzählt werden.

Doch zuerst eine Frage: Wer kann sagen, wozu die Krokodile da sind? Etwa dazu, daß sie die Fische wegfressen und einmal einen Menschen wegschnappen? Wo bleibt da deren Nützlichkeit?

Und doch müssen die Krokodile im Haushalte der Natur wohl nützlich sein, sie müssen es – sonst würde sie die Natur aus der Liste der Kreaturen streichen.

Die Frage ist beantwortet worden vor gar nicht langer Zeit.

Ein ackerbautreibender Indianerstamm in Brasilien wurde von den Alligatoren sehr belästigt, die in dem neben dem

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Totenstadt. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Totenstadt.pdf/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)