Seite:Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau.djvu/18

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„„So empfangt die Euch vertraute, des geliebten Fürsten Hülle,
Der die freie Burg erbaute und begabt’ mit Segensfülle;
Laßt uns nun vereint ihn senken in den gottgeweihten Raum,
Aber gebt zum Angedenken uns zurück den Todtenbaum.““

(A. Schnezler.)


6. Der versteinerte Herzog.

(Berthold V. nach der Volkssage. Derselbe ist der einzige von den Herzogen von Zähringen, welcher im Münster zu Freiburg beerdigt wurde. Dort ist auch sein gewaltiges Steinbild an der innern Wand der südlichen Abseite aufgestellt und trug wahrscheinlich dazu bei, die Sage von ihm, wenn auch nicht hervorzurufen, doch zu erweitern und frisch zu erhalten.)


Es wüthet der Herzog, er rauft sich das Haar,
Zerfleischt sich die Lippen mit Bissen;
Da liegen die Söhne, das blühende Paar,
Das ihm noch die erste Gemahlin gebar,

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Durch Gift aus dem Leben gerissen.


Wer hat sie gemordet? – Sein zweites Gemahl.
Gern lieh den burgund’schen Großen,
Die Berthold gezüchtigt mit siegendem Stahl,
Stiefmütterlich sie sich zum rächenden Strahl,

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Zu knicken die fürstlichen Rosen.


Zwar fehlt’s an Beweis, doch der rasende glaubt
Allein dem burgundischen Hasse;
Sein Stamm ist entlaubt und der Sprossen beraubt, –
D’rum fällt auf dem Blocke der Herzogin Haupt,

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Mag’s Volk sich empören in Masse!
Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Schreiber: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau. Franz Xaver Wrangler, Freiburg 1867, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Volkssagen_der_Stadt_Freiburg_im_Breisgau.djvu/18&oldid=- (Version vom 31.7.2018)