Seite:Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau.djvu/90

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brachen jetzt wieder aus den Wänden hervor und nöthigten zuzugreifen. Sobald aber Jemand eine von den funkelnden Kirschen zum Munde führte, verwandelte sie sich in eine Flamme, die nicht mehr zu löschen war, und in Magen und Herz hinunterbrannte. Zuletzt riß der Fuhrmann den Burgherrn zu sich auf den Bock, das Feuer bemächtige sich des ganzen Schlosses; der Boden öffnete sich, und Pferde, Wagen, Burgherr und Gäste sanken zusammen in eine bodenlose Tiefe hinab.

(H. Schr.)


48. Der See im Kandel.

Dem Thale von Siensbach mangelte in alter Zeit das Wasser, und doch befindet sich im Kandelberg ein unergründlicher See, der, wenn man ihn losließe, nicht nur die Umgegend, sondern das ganze Breisgau überschwemmen würde. Das hätte denn auch der Böse, der stets auf das Verderben der Menschen sinnt, längst gewünscht; aber er wußte es wohl, daß es nur einem unschuldigen Knaben gelingen würde, über den Berg Meister zu werden, und dessen Felswand zu sprengen; darum hatte er sich von jeher eifrig nach einem solchen umgesehen. Endlich schien es ihm doch gelingen zu wollen.

Eines Abends sah nämlich ein armer Waisenknabe von Siensbach, der am Kandel Vieh hüthete, gar betrübt und mißmuthig vom Berge herab; denn er dachte an seinen undankbaren Dienst, daß er bei geringem Lohn kaum genug zu essen und nur abgetragene Fetzen zu Kleidern bekomme. Thränen liefen ihm dabei über das Gesicht herunter. Da dachte der Böse im Stillen: „der ist wohl in langer Zeit der rechte.“ Flugs hatte er sich in den bekannten Grünrock

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Heinrich Schreiber: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau. Franz Xaver Wrangler, Freiburg 1867, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Volkssagen_der_Stadt_Freiburg_im_Breisgau.djvu/90&oldid=- (Version vom 31.7.2018)