Seite:Die araner mundart.djvu/89

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
– 73 –

§ 190. Im wortinlaut, ausser nach s v w, entspricht der durch dargestellte laut einem älteren, meist durch assimilation eines dentals an l, enstandenen[1] langen oder verdoppelten l, dem ein gutturaler vokal folgt oder einst folgte. Beispiele sind: aiəl̄ „hitze“ (der hündin) [vgl. § 4 u. II 251, 14], air. adall; ȧləx[2] „vieh“, air. ellach; bal̄ə „mauer“, mengl. bailly, mlat. ballium; bāl̄ „fleck“, mir. ball; brol̄əx „brust“, mir. brollach; dāl̄ „blind“, mir. dall; gal̄ gāl̄ „engländer“, mir. gall; ǵȧl̄ ǵǡl̄ „pfand, versprechen“, air. gell; ǵiəl̄ „kinnlade“, mir. giall; hāl̄ „drüben“, air. tall; kol̄ə „schlafen“, air. cotlad cotlud; kol̄əx „eber, wildschwein“, air. cullach; ḱiəl̄ „verstand, sinn“, air. ciall; mal̄īm „verfluche“, mir. mallaigim; māl̄ „langsam“, air. mall; mȧl̄ĭm „betrüge“, mir. mellaim; mul̄əx „gipfel, spitze“, mir. mullach; cŕiəl̄ „reisen“, mir. triall.

Nur in vereinzelten fällen, wie beispielsweise in campl̥̄ „kirche“, air. tempul, geht inlautendes nach anderen lauten als s w v auf ein einfaches l zurück.

8. ĺ.

§ 191. Der buchstabe ĺ bezeichnet einen stimmhaften reibelaut mit engenbildung zwischen den seitenrändern der zunge und den backenzähnen bei gleichzeitiger verschlussbildung zwichen dem vorderen zungenrücken und der mitte des harten gaumens.

§ 192. Der durch ĺ dargestellte laut entspricht im wortanlaut sowie inlautend nach š v und der verbindung ĺc einem älteren l vor palatalem vokal. Beispiele hierfür sind: ĺaiəs „heilen“, mir. leges; ĺauər „buch“, air. lebor, lat. liber; ĺaunəxt „neue milch“, mir. lemnacht; ĺȧ „hälfte“, air. leth; ĺȧbə „bett“, mir. lepaid; ĺȧhn̥̄ ĺǡn „breit“, air. lethan; ĺȧhr̥ „leder“, mir. lethar; ĺȧĭm „schmelze“, mir. legaim; ĺȧk „fliese“, mir. lecc; ĺȧnĭm „folge“, mir. lenaim lenim; ĺȧs „vorteil“, air. less; ĺehəd „breite“, air. lehet; ĺēm „sprung“, air. léimm; ĺēnə „hemd“, air. léine léne; ĺiə „grau“, mir. liath; ĺīm „lecke“, air. ligim; ĺīn „flachs“, mir. lín; ĺīn „netz“, air. lín; ĺīnĭm „fülle“, air. línaim; ĺīrōȷ „fussball“, air. liathróit; šĺauən „glatt“, air. slemun; šĺȧ „speer“, mir. sleg; šĺiəv „berg“, air. slíab; šĺiš „schulter-

  1. Sic; entstandenen
  2. Sic; ȧl̄əx
Empfohlene Zitierweise:
Franz Nikolaus Finck: Die araner mundart. N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg 1899, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_araner_mundart.djvu/89&oldid=3303330 (Version vom 31.7.2018)