Seite:Die verzauberte Insel.pdf/13

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Frühstückskammer untersuchte, „gestern abend habe ich hier auf den Stein drei gebackene Brotschnitte gelegt – seht her, jetzt liegen nur zwei da. Die eine haben die Ratten geholt.“

„Die Ratte war ich,“ erklärte aber Richard lachend, „ich habe sie mir noch gestern abend, als Ihr schon im Bette lagt, geholt und gegessen.“

Ein Ruf Oskars, der schon hinausgegangen war, rief die beiden Freunde an seine Seite. Er deutete mit sichtlicher Bestürzung auf das kleine Bäumchen.

„Dieses Bäumchen ist heute nacht noch einmal gepflanzt worden,“ sagte er mit Bestimmtheit. „Ich habe es gestern nachmittag, als es Paul herausgerissen hatte, wieder in die Erde eingesetzt und Wasser daraufgegossen, dadurch entstand rund um den Stamm eine kleine Vertiefung. So habe ich es gelassen, so war es auch noch gestern abend, ich weiß es genau – jetzt dagegen ist der Boden ringsherum aufgelockert und an dem Stämmchen aufgehäuft worden, ganz genau so, wie wir das Bäumchen zuerst gefunden haben. Wer hat das gemacht?“

„Ich nicht – ich nicht,“ sagten Paul und Richard.

„Ich auch nicht, und wer hat es sonst gethan? Seht nur, wie fein die Erde zerkleinert worden ist! Das kleinste Steinchen ist daraus noch entfernt worden, und überhaupt, es sieht alles so zierlich aus!“

„Das haben die Ratten gethan,“ meinte Paul nachdenkend.

Er wurde ausgelacht. Dieses Lachen gab freilich noch keine Erklärung. Schließlich fand Oskar selbst eine Lösung. Er erinnerte seine Freunde an jene Pflanzen, die sich den Boden, in dem sie wurzeln, selbst bereiten, ihn sich gewissermaßen zuträglicher machen. Eigentlich thut dies jede Pflanze, wenn sie nicht in dem Boden steht, der ihren Bedürfnissen genau zusagt, man merkt nur nicht die geringe Thätigkeit ihrer Wurzeln. In Südamerika wächst zum Beispiel ein Kaktus, der einen trockenen, zerrissenen Boden braucht. Pflanzt man ihn nun in einen festgedrückten Boden, so bohren seine Wurzeln schnell überall nach oben Luftlöcher, bis sein Standort ganz

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Robert Kraft: Die verzauberte Insel. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_verzauberte_Insel.pdf/13&oldid=- (Version vom 31.7.2018)