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Und doch ein Feigling bist du, der den Schwindel,
Der frech sich spreizt, nicht anzutasten wagt!

15
Wenn dich, den Fetischdiener, das Gesindel

Nur keck bedroht, so duckst du dich verzagt.

Hier gehst du blind vorbei dem scharfen Denker,
Dein Fussfall dort der feilen Dirne gilt;
Heut hebst den Helden du und Schlachtenlenker,

20
Und morgen einen Affen auf den Schild.


Querköpfiges Scheusal! deinem Lob und Tadel
Trotz’ ich, und spotte deines Regiments! –
So deklamierte voll Gesinnungsadel
Der neue Kandidat des Parlaments.

25
Drauf ging er hin und streute der Vereinung

Der Wähler aus sein Kompromiss-Konfekt;
Und am Altar der öffentlichen Meinung
Geopfert lag des Braven Intellekt.

Gerhard von Amystor.






Publikum.

Das Publikum, das ist ein Mann,
Der alles weiss und garnichts kann;
Das Publikum, das ist ein Weib,
Das nichts verlangt als Zeitvertreib;

5
Das Publikum, das ist ein Kind,

Heut’ so und morgen so gesinnt;
Das Publikum ist eine Magd,
Die stets ob ihrer Herrschaft klagt;
Das Publikum, das ist ein Knecht,

10
Der, was sein Herr thut, findet recht;

Das Publikum sind alle Leut’,
Drum ist es dumm und auch gescheit.
Ich hoffe, das nimmt keiner krumm,
Denn einer ist kein Publikum.

Ludw. Robert.
(1779–1832.)







Publikum.

Das Publikum ist eine einfache Frau,
Bourgeoishaft, eitel und wichtig,
Und folgt man, wenn sie spricht, genau,
So spricht sie nicht ’mal richtig.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/188&oldid=- (Version vom 31.7.2018)