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Das bist du!

Deine sündenschwarzen Haare
Locken wie zu heissen Nächten,
Und ich möchte meine Arme
Um den jungen Leib dir flechten.

5
Schimmern noch so keusch und heilig

Deine engelweissen Brüste,
Mir verrät ihr unruhvolles
Wogen zehrende Gelüste.

Zwar dein Blick ist sehr madonnen,

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Doch es kichern glühe Funken

In ihm auf. Geheimer Wonnen
Abglanz, die du schon getrunken.

Pflückst wohl gern die roten Beeren,
Wenn der Strauch sie gerade beut,

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Und es giebt für ein Begehren

Deiner Liebe – kein Verwehren!
– – – – – – – – – –
Morgen weisst du nichts von heut’!

Kurt Holm.





Als ob es sein müsst’.

Die Blumen waren im Lenz erwacht
Und standen wie Bräute in höchster Pracht,
Die Bienen haben sie abgeküsst,
Sie hielten fein still, als ob es sein müsst’.

5
Ein Vöglein sass einsam auf dem Ast,

Da kam geflogen in wilder Hast
Ein andres Vöglein und hat es geküsst,
Es hielt fein still, als ob es sein müsst’.

Die Schäf’rin schritt durch Wiesen und Wald,

10
Ein Jägersmann folgte der Holden bald

Und hat sie umfasst, und hat sie geküsst,
Sie hielt fein still, als ob es sein müsst’.

Da dachte ich mir: das muss wohl so sein,
Ein Narr ist, der da wandert allein,

15
Und habe mein Liebchen geherzt und geküsst,

Auch das hielt fein still, als ob es sein müsst’.

Armin Werherr.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/92&oldid=- (Version vom 31.7.2018)