Seite:Erzählungen von Marie von Ebner-Eschenbach.djvu/304

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Töchterchen keinen Stiefvater erhalten durfte … Und so weiter!

Klemens reiste nach England, kehrte von dort erst zur Winterszeit zurück und stürzte sich nach seiner Heimkehr mit erneuerter Unerschrockenheit in die große Welt. Man sah es ihm an den Augen an, es verrieth sich in jedem seiner Worte, daß er entschlossen war, aus diesem Fasching als Bräutigam hervorzugehen. Aber – wieder erwachten seine Zweifel, wieder stellte die Ernüchterung sich ein. Die Wahl war zu groß um nicht zu schwer zu sein, ein erster Schritt zu bindend, um nicht reiflichste Ueberlegung zu fordern. Die Unternehmungslust des Fürsten sank von Neuem, als er von Neuem inne wurde, daß es sich nicht darum handle zu erobern, sondern erobert zu werden. Marianne traf er oft in Gesellschaft und ging dann mit stummem und feierlichem Gruße an ihr vorüber. Sie gefiel ihm wo möglich noch mehr als im verflossenen Jahre. Was waren Alle, deren Besitz ihm so leicht erreichbar gewesen wäre, im Vergleiche zu der Einen Unerreichbaren? Konnte man einem hübschen Gesichte Aufmerksamkeit schenken, nachdem man diesen klassischen Kopf gesehen, in Haltung und Form, ja in jedem Zuge, dem der Venus von Milo so ähnlich? Konnte man dem Geschwätz eines Backfisches das geringste Interesse abgewinnen, nachdem man die Gräfin einmal sprechen gehört?

Auf einem Balle, dem Klemens und Marianne als Zuschauer beiwohnten, fügte es der Zufall, daß sie im

Empfohlene Zitierweise:
Marie von Ebner-Eschenbach: Nach dem Tode. In: Erzählungen. Berlin: Gebrüder Paetel, 1893, Seite 298. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Erz%C3%A4hlungen_von_Marie_von_Ebner-Eschenbach.djvu/304&oldid=- (Version vom 31.7.2018)