Seite:Erzählungen von Marie von Ebner-Eschenbach.djvu/345

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„Nun, Du bist da,“ sagte Paul beschwichtigend, „und sehr willkommen.“

Er rückte einen Fauteuil zurecht, in dem der Freiherr brummend Platz nahm, nachdem sein im Zimmer umhersuchender Blick ihm die Ueberzeugung verschafft, daß auch nicht ein ordentlicher Sessel vorhanden sei, auf dem sich „ein altmodischer Landjunker, der gewohnt ist zu sitzen und nicht zu lümmeln“, mit Annehmlichkeit niederlassen könnte.

„Wo ist dein Michel?“ fragte er nach einer kleinen Pause in inquisitorischem Tone, fuhr aber sogleich fort, ohne die Antwort abzuwarten: „nicht residenzfähig natürlich … Hier braucht man ganz andere Leute, Gamaschen tragende geschniegelte Theaterbediente …“

„Michel ist auf dem Lande, bei seiner Familie,“ unterbrach ihn Paul. „Und nun erzähle! wie sieht es aus bei uns daheim?“

Er hatte dem Gaste eine Cigarre angeboten, welche dieser mit einer Art Entrüstung ablehnte.

„Du rauchst nicht?“ fragte Paul.

„Nur meine Cigarren, wie Du wissen könntest,“ antwortete Kamnitzky unwirsch, zog ein Etui hervor und aus diesem eine schwarze Cigarre von nichts weniger als einladendem Aussehen, die er mit heftiger Anstrengung seiner Athmungswerkzeuge in Brand setzte. Ihr zweifelhafter Duft schien anregend auf ihn zu wirken, er wurde redselig, sprach von den Geschäften, die ihn nach der Stadt geführt, vom Wetter, von den Ernteaussichten, er

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Marie von Ebner-Eschenbach: Nach dem Tode. In: Erzählungen. Berlin: Gebrüder Paetel, 1893, Seite 339. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Erz%C3%A4hlungen_von_Marie_von_Ebner-Eschenbach.djvu/345&oldid=- (Version vom 31.7.2018)