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Eduard und Kunigunde.


Wenn die Nacht mit schwarzem Schleier
Auf die müde Erde sinkt,
Und die Mitternacht erklingt,
Eilen zu der Liebe Bunde

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Eduard und Kunigunde.


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In des Schlosses stillem Garten,
Tief im Mantel eingehüllt,
Schleicht Fernando, gräßlich wild,
Murmelnd aus dem düstern Munde:

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Eduard und Kunigunde.


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Unter blühenden Cypressen
Sitzt das holde Liebespaar,
Ahnt nicht Tod und nicht Gefahr,
Liebend tönt’s von ihrem Munde:

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Eduard und Kunigunde.


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Fackeln scheinen, Schwerter klirren.
Und Fernando eilt herbei,
Tod euch! tönt sein Mordgeschrei,
Tod euch, noch in dieser Stunde!

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Eduard und Kunigunde.


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Von sechs Kugeln schwer getroffen,
Sinken beide in die Knie,
Lebe wohl, vergiß mein nie!
Rufen noch mit bleichem Munde

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Eduard und Kunigunde.


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Und Fernando siehts mit Kummer,
Fühlt nun Reue, tiefen Schmerz,
Sticht den Dolch sich in das Herz,
Einet mich zu Eurem Bunde:

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Eduard und Kunigunde.


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Und die Ritter und die Knappen
Ahmen ihren Herren nach,
Traurig jeder sich erstach,
Jammernd in der Todesstunde:

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Eduard und Kunigunde.


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Hörst du, wie im Hain es seufzet!
Bleiche Geister wallen dort
Zu der Rache Schreckensort,
Klagend tönt es in die Runde:

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Eduard und Kunigunde.


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Empfohlene Zitierweise:
Kaspar Braun, Friedrich Schneider (Red.): Fliegende Blätter (Band 1). Braun & Schneider, München 1845, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fliegende_Bl%C3%A4tter_1.djvu/42&oldid=- (Version vom 1.8.2018)