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Nro. 7.
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Der dicke Bildschnitzer.
(Aus Bülows Novellenbuch.)


Eines Sonntags Abends im Jahre vierzehnhundert neun versammelte sich eine Gesellschaft junger Leute zum Nachtessen bei dem Edlen Tomaso de Pecori in Florenz, einem großen Freunde der Kurzweil und Geselligkeit. Und als man über dies und jenes plaudernd nach Tische um das Feuer herumstand, sagte Einer aus der Gesellschaft: Was meint ihr, daß Manetto Ammanatini heute nicht gekommen ist? Wir haben ihm zugeredet, was wir konnten, er war nicht von der Stelle zu bringen.

Dieser Manetto, ein junger Bildschnitzer, hatte seine Werkstatt auf dem Platze San Giovanni, und galt für den geschicktesten Meister in Verfertigung ausgelegter Holzarbeiten. Er war ein aufgeweckter possirlicher Mensch, eher arglos als schlau von Natur, und wegen seiner ziemlich starken und großen Körpergestalt, in der erwähnten von ihm häufig besuchten Gesellschaft fröhlicher lebenslustiger Leute, vorzugsweise der Dicke genannt.

An diesem Abende hielten ihn entweder Geschäfte, oder Grillen, oder Anderes ab, und er hatte sich trotz aller Bitten nicht entschließen wollen, mit den Gesellen zu gehen.


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Indem sie sich nun darüber besprachen und sich die Ursache nicht erklären konnten, aus der er zurückgeblieben war, kamen sie endlich überein, es möge nichts Anderes als Grillenfängerei von ihm gewesen seyn. Ein wenig unwillig deshalb, sagte der Sprecher von vorhin: Wir sollten ihm einmal einen Streich spielen, auf daß er sich nicht gewöhnte, seine Grillen an uns auszulassen. Worauf ein Anderer erwiederte: Was können wir ihm anhaben? Lassen wir ihm nicht etwa die Zeche wo bezahlen, oder treiben einen ähnlichen Spaß mit ihm?

Es war unter dieser munteren Tischgesellschaft Einer, Namens Filippo di Ser Brunellesco, um seiner Kunst willen allbekannt. Dieser ging vertraut mit dem Dicken um, und kannte ihn genau. Wie er also jetzt ein wenig still nachgedacht, und bei sich erwogen hatte, daß der Dicke von sehr schwachem

Empfohlene Zitierweise:
Kaspar Braun, Friedrich Schneider (Red.): Fliegende Blätter (Band 1). Braun & Schneider, München 1845, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fliegende_Bl%C3%A4tter_1.djvu/53&oldid=3311008 (Version vom 31.7.2018)