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Menschen je. Was du heute nicht verspielst, bringst du morgen liederlicher Weise durch, so daß du nie einen rothen Heller in deinem Beutel hast. Nun haben sie dich aber gar eingesteckt! Du weißt, wie wir uns behelfen müssen, und ob wir immerdar im Stande sind, für dich Schulden zu bezahlen, der du mit deinem Saus und Braus die Zeit her einen wahren Schatz durchgebracht hast. Wir sagen dir, wenn es nicht um unserer Ehre willen wäre, und weil uns unsere Mutter keine Ruhe läßt, wir ließen dich diesmal eine Weile zappeln, damit du wo möglich in dich gingest. Wir wollen uns jetzt noch einmal deiner annehmen und für dich bezahlen; doch wenn du wieder so tief hineingeräthst, so sollst du länger drin stecken bleiben, als dir lieb seyn mag, das merke dir. Damit uns Niemand bei hellem Tage mit dir herausschleichen sieht, so werden wir heute Abend, um das Ave-Maria, dich abzuholen, kommen, wann wenig Menschen auf der Straße sind; denn es soll nicht Jedermann Zeuge unseres Elendes seyn, und wir mögen nicht noch mehr Schande deinetwegen auf uns laden. Der Dicke gab ihnen gute Worte, und versprach hoch und theuer, er wolle in Zukunft ein ganz anderes Leben führen, als er bisher gethan habe, und sich hüten, wieder so liederlich zu seyn, und ihnen solche Schande ins Haus zu bringen. Er beschwor sie um Gotteswillen, sie möchten ihn ja abholen, wenn die Stunde gekommen sei. Sie versprachen es und gingen hinweg, und er zog sich wieder in seine Ecke zurück, wo er gegen den Richter sich äußerte: Es kommt immer besser mit mir. Eben waren zwei Brüder des Matteo, jenes Matteo, mit dem man mich verwechselt, hier, und haben mit mir gesprochen und mir gesagt, um's Ave-Maria kämen sie wieder und holten mich ab. Und fügte er kläglich hinzu: Wie soll es nun werden, wenn ich hier weggeführt worden bin? Wo soll ich hin? In mein Haus kann ich nicht gut wieder, denn ist der Dicke drinnen, was soll ich sagen, will ich nicht für einen Narren ausgeschrieen werden? Und ganz gewiß muß der Dicke drin seyn, meine Mutter hätte mich ja suchen lassen, wär' er's nicht; so aber sieht sie ihn gewiß vor sich und wird ihren Irrthum nicht gewahr. Der Rechtsgelehrte verbiß sich das Lachen, und hatte über den Dicken unendlichen Spaß. Er sagte: Lauf ja nicht zum Dicken hin; geh nur mit denen, die sich für deine Brüder ausgeben; du wirst bald sehen, wohin sie dich führen, und was weiter mit dir geschieht.


(Schluß in nächster Nummer)


Der schlesische Zecher.


Auf Schlesiens Bergen, da wächst ein Wein,
Der braucht nicht Sonne nicht Mondenschein.
Ist's Jahr auch schlecht, ist's Jahr auch gut,
Da trinkt man fröhlich der Trauben Blut.

5
Da lag ich einmal am vollen Faß,

„Ein Anderer soll mir trinken das;“
So rief ich,
„Und soll's der Teufel sein,
Ich trinke ihn nieder

10
Mit solch'nem Wein.“

Und eh noch das letzte Wort verhallt,
Des Satans Tritt durch den Keller schallt,
„He Freund!, gewinn' ich, so bist du mein,“
Ich gehe, so sprach ich, ich gehe die Wette ein.

15
Da wurde manch Krüglein leer gemacht;

Wir saßen und tranken die halbe Nacht,
Da lallte der Teufel: „He Kamerad,
Beim Fegfeuer jetzt – jetzt hab' ich's satt.
Ich trank vor hundert Jahren zu Prag

20
Mit den Studenten Nacht und Tag;

Doch mehr zu trinken solch sauren Wein,
Müßt' ich ein geborner Schlesier sein.“


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Empfohlene Zitierweise:
Kaspar Braun, Friedrich Schneider (Red.): Fliegende Blätter (Band 1). Braun & Schneider, München 1845, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fliegende_Bl%C3%A4tter_1.djvu/57&oldid=- (Version vom 1.8.2018)