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Dernocher sin ̃ glei ̃ die Burgunder ’kumme ̃
Un ̃ die Bordeaux mit ihr’m rothe ̃ Talar, –
Do habe ̃ die Grieche ̃ schun Gsichter gemacht
Un ̃ habe ̃ die Fremde gar scheel betracht’t.

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Un a alter Muschkat vun der Insl Samos

Der hot gesacht zum a Malvasir,
Geb’ Acht die Franzose ̃ mit ihr’m Geschwätz
Die krieche ̃ heilig die erschte ̃ Plätz’.

Un ̃ der Bachus der hot ’m Champagner gewunke ̃,

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Der war wie a rechter Stutzer geputzt,

Besetzt mit Topase ̃ die Knöpp’ am Frak
Un ̃ a Perle ̃schnur an sein’m Chapeau claque.

Er is mehr getanzt als daß er is ’gange ̃
Un ̃ hot noch gesumst so a Stück vun a Lied,

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Do habe ̃ die annre ̃ gemormlt: wie grob!,

Der hot aach de Großmogl in sein’m Kopp.

 Jetz’ hot der Bachus gerufe ̃: Tokayer!
Do is der natürlich gar wichtich ’enein,
A kleener Mann, ganz kuprich un ̃ roth,

40
Zwee Husare ̃ hinner ’m noch ungrischer Mod’.


D’ruf hot der Bachus nimmer gewunke ̃,
Es war a langi peinlichi Paus’
Un ̃ er hot sich als bsunne ̃ un ̃ hot sinnirt
Un ̃ wie a rechter Gelehrter studirt.

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Un ̃ wie’s halt geht mit dem dumme ̃ Studire ̃,

So kummt ’m der Schlof un ̃ er duslt ei ̃,
Jetz’ stellt euch die Angscht un ̃ die Ungeduld vor
Vun dem übrige ̃ diplomatische ̃ Corps. –

„Do gilt es a Lischt“ sächt a Piesporter Junker

50
Un ̃ rumplt ’m König durch’s offene Maul!

Deß war a Signal un ̃ Alles will ’nei ̃
Un ̃ kenner der letschte Vergessene sei ̃.

O Mord un ̃ Spetakl, was war deß a Drucke ̃,
Die Grieche ̃, wie Feuer vor Aerger un ̃ Zorn,

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Un ̃ die Franke ̃, die aach nit vun Huzle ̃ gemacht,

Die habe ̃ sich grose Sottise ̃ gesacht.

Ke ̃ Rücksicht, ke ̃ Schonung war do mehr zu finne ̃,
Die Spanier allee ̃ ware ̃ noch im e ̃ Tackt
Un ̃ habe ̃ die Lacrimae Christi gebitt’,

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„Ei geben Se vor, mir kumme ̃ schun mit.“ –


Un ̃ der Bachus der hot als gschlofe ̃ un ̃ gschlofe ̃
Un ̃ die Herold die habe ̃ gewart’t und ̃ gewart’t,
Um laut zu verkündige ̃ überall,
Wie dann gefalle ̃ ’m König sei ̃ Wahl.

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Jetz’ endlich erwacht er, un ̃ wie er’s soll sage ̃,

Derwell’ dann der erschte vun all’ denne ̃ Wein’,
So denkt er in Lieb’, un ̃ deß war wohl aach gscheut,
„Was soll ich een kränke ̃, sin All’ liebe Leut’,

„Un ̃ soll ich’s dann wege ̃ ’me Wörtche ̃ risquire ̃,

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Daß mancher werd sauer un ̃ kahnig vor Gram?“

Nee, denkt sich der König, un ̃ hot halt nix gsacht,
Als daß ’m die Prüfung Vergnüge ̃ gemacht.

Un ̃ weil er halt gar nix sunscht sage ̃ hot wolle ̃
Der gute un ̃ liebe un ̃ freundliche Mann,

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Un ̃ so weeß mer noch bis uf die Stund’ nit gewiß,

Derwell’ vun de ̃ Wein’ der vornehmschte is.

(Aus Franz v. Kobells Gedichten.)


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Empfohlene Zitierweise:
Kaspar Braun, Friedrich Schneider (Red.): Fliegende Blätter (Band 1). Braun & Schneider, München 1845, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fliegende_Bl%C3%A4tter_1.djvu/89&oldid=2862531 (Version vom 24.7.2016)