Seite:Friedlaender-Aus dem homosexuellen Leben Alt-Berlins.djvu/15

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Stadt hat wahre Gemütlichkeit naturgemäß keine rechte Stätte mehr.

Ein beliebter Sammelpunkt der Homosexuellen war noch Mitte der 1880er Jahre der Pariser Keller.

Dieser war am Pariser Platz, im Hause der französischen Botschaft, gelegen. Dort trafen an den Sommerabenden die vielen Homosexuellen aus dem Tiergarten zusammen, um noch ein „Schlummerseidel“ zu trinken. Viel Verkehr von Homosexuellen war im achten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts im Riesentunnel, auch Renztunnel genannt. Dieses große Kellerlokal lag im Zirkus Renz, jetzt Zirkus Schumann. Es konzertierte dort vielfach eine Jünglingskapelle, die offenbar den Hauptanziehungspunkt vieler Homosexuellen bildete. Im übrigen verkehrten in diesem Tunnel auch viele andere Leute, insbesondere war die Zuhälter- und Dirnenwelt stark vertreten, so daß sich die besseren Homosexuellen schließlich zurückzogen. Ein weiterer Treffpunkt war in den 1880er Jahren der in der Markgrafenstraße an der Ecke der Jägerstraße belegene „Markgrafenkeller.“ In den oberen Räumen dieses Gebäudes war das Oberverwaltungsgericht untergebracht. Sehr besucht von Homosexuellen war auch in den 1880er und 1890er Jahren das am Dönhofsplatz belegene Konzert-Etablissement: „Die Reichshallen.“ – Einer der bekanntesten Sammelpunkte der Homosexuellen war ein in der Jägerstraße 10 belegenes Parterrelokal von Seger[WS 1]. An einem Sonntag Abend (Februar 1885), als alle Räumlichkeiten dieses Lokals dicht besetzt waren und fröhlichste Heiterkeit durch die Reihen ging, trat plötzlich Kriminalkommissar Wolff, späterer Polizeirat in Frankfurt a. M., mit 7 Beamten in das Lokal. Draußen war eine große Anzahl uniformierter Schutzleute postiert. Kriminalkommissar Wolff forderte die Anwesenden auf, sich zu legitimieren. Die das nicht vermochten, mußten zur nächsten Polizeiwache

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Carl August Seeger.