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     Hab ich die Meinigen durch Sorgfalt mir verpflichtet,

Sie durch mein Beyspiel still zum Guten unterrichtet?
War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu bequem?
Ein Glück, das andre traf, war dieß mir angenehm?

     War mir der Fehltritt leid, so bald ich ihn begangen?

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Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen?

Und wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut,
Bin ich, vor ihm zu stehn, auch willig und bereit?

     Gott, der du alles weist, was könnt ich dir verheelen?
Ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen.

35
Vergieb durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht;

Vergieb, und gehe du nicht mit mir ins Gericht.

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Geistliche Oden und Lieder. in der Weidmannischen Handlung, Leipzig 1757, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geistliche_Oden_und_Lieder-Gellert.djvu/39&oldid=- (Version vom 1.8.2018)