Seite:Geistliche Oden und Lieder-Gellert.djvu/68

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Passionslied.

Erforsche mich, erfahr mein Herz,
Und sieh, Herr, wie ichs meyne.
Ich denk an deines Leidens Schmerz,
An deine Lieb, und weine.

5
Dein Kreuz sey mir gebenedeyt!

Welch Wunder der Barmherzigkeit
Hast du der Welt erwiesen!
Wenn hab ich dieß genug bedacht,
Und dich aus aller meiner Macht

10
Genug dafür gepriesen?


     Rath, Kraft, und Friedefürst und Held!
In Fleisch und Blut gekleidet,
Wirst du das Opfer für die Welt,
Und deine Seele leidet.

15
Dein Freund, der dich verräth, ist nah.

Des Zornes Gottes Stund ist da,
Und Schrecken strömen über.
Du zagst, und fühlst der Höllen Weh:
„Ists möglich, Vater, o so geh

20
„Der Kelch vor mir vorüber!


     Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst,
Und fällst zur Erde nieder;
Du, Sohn des Höchsten, kämpfst, und wagst
Die erste Bitte wieder.

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Geistliche Oden und Lieder. in der Weidmannischen Handlung, Leipzig 1757, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geistliche_Oden_und_Lieder-Gellert.djvu/68&oldid=- (Version vom 1.8.2018)