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Du fühlst, von Gott gestärkt im Streit,

Die Schrecken einer Ewigkeit,
Und Strafen sonder Ende.
Auf dich nimmst du der Menschen Schuld,
Und giebst mit göttlicher Geduld

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Dich in der Sünder Hände.


     Du trägst der Missethäter Lohn,
Und hattest nie gesündigt;
Du, der Gerechte, Gottes Sohn!
So wars vorher verkündigt.

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Der Frechen Schaar begehrt dein Blut,

Du duldest, göttlich groß, die Wut,
Um Seelen zu erretten.
Dein Mörder, Jesus, war auch ich;
Denn Gott warf aller Sünd auf dich,

40
Damit wir Friede hätten.


     Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt,
Und doch der Größt im Herzen,
Erträgst du Spott, Schmach und Gewalt,
Voll Krankheit und voll Schmerzen.

45
Wir sahn dich, der Verheißung Ziel;

Doch da war nichts, das uns gefiel,
Und nicht Gestalt noch Schöne.
Vor dir, Herr, unsre Zuversicht,
Verbarg man selbst das Angesicht;

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Dich schmähn des Bundes Söhne.


Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Geistliche Oden und Lieder. in der Weidmannischen Handlung, Leipzig 1757, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geistliche_Oden_und_Lieder-Gellert.djvu/69&oldid=- (Version vom 1.8.2018)