Seite:Geistliche Oden und Lieder-Gellert.djvu/70

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     Ein Opfer, nach dem ewgen Rath,
Belegt mit unsern Plagen,
Um deines Volkes Missethat
Gemartert und zerschlagen,

55
Gehst du den Weg zum Kreuzesstamm,

In Unschuld stumm, gleich als ein Lamm,
Das man zur Schlachtbank führet.
Freywillig, als der Helden Held,
Trägst du, aus Liebe für die Welt,

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Den Tod, der uns gebühret.


     „Sie haben meine Hände mir,
„Die Füsse mir durchgraben,
„Und große Farren sinds, die hier
„Mich, Gott! umringet haben.

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„Ich heul, und meine Hülf ist fern.

„Sie spotten mein: Er klags dem Herrn,
„Ob dieser ihn befreyte!
„Du legst mich in des Todes Staub.
„Ich bin kein Mensch, ein Wurm; ein Raub

70
„Der Wut, ein Spott der Leute.


     „Ich ruf und du antwortest nie,
„Und mich verlassen alle.
„In meinem Durste reichen sie
„Mir Essig dar mit Galle.

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„Wie Wachs zerschmilzt in mir mein Herz.

„Sie sehn mit Freuden meinen Schmerz,

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Geistliche Oden und Lieder. in der Weidmannischen Handlung, Leipzig 1757, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geistliche_Oden_und_Lieder-Gellert.djvu/70&oldid=- (Version vom 1.8.2018)