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das Kloster in Anspruch nehmen. Er schlage aber vor, der Stadt Merkendorf, deren Wege durch die Kreuzstraße sehr verdorben würden, einen Kreuzer Zoll von jedem Wagen zu bewilligen.“ Der Bescheid hierauf lautete: „Letzteres stehe dem Markgrafen nicht zu, da in dessen Landen der Zoll ein kaiserliches Regale sei; sonach müsse die Genehmigung vom Kaiser und von den Kurfürsten erholt werden, was nur mit großen Mühen und Kosten geschehen könne und doch nicht nachhaltig helfe. Auch würde diese Neuerung viel Zank und Beschwerden zur Folge haben.“ Wir haben vorhin gesehen, daß die Gestattung von Befestigungen gleichfalls ein kaiserliches Regale war, daß aber der kaiserliche Konsens zur Befestigung von Merkendorf und Bonhof leicht eingeholt werden konnte, da die Kaiser so oft nach Heilsbronn kamen. Allein von der Reformationszeit an kamen die Kaiser nicht mehr dahin.

Im dreißigjährigen Kriege litt Merkendorf außerordentlich. Während der ersten Kriegsjahre ergaben sich Einquartierungen, Durchzüge, Plünderungen und Gewaltthaten wie an andern Orten in der Umgegend, z. B. 1626 durch Fürst-Lauenburgische und Pollantinische Truppen. Bis zu welcher Höhe das Elend im 16. Kriegsjahre gestiegen war, ergibt sich aus den Berichten des in Merkendorf wohnenden heilsbronnischen Vogts Chph. Keck. Am 20. Aug. 1634 berichtete er: „Als die kaiserliche Armee vor Nördlingen gelegen, haben 60 Kroaten Merkendorf überfallen, geplündert, die wenigen noch vorhandenen Kühe und Pferde weggetrieben und Getreide weggeführt. Hernach kamen zu unterschiedlichen Malen Reiter dahin und haben gedroschen. Die von ihnen Beraubten haben ihren Nachbarn das Getreide aus den Scheunen getragen, weil alles preis zu sein vermeint. Um den geringen Rest zur Selbsterhaltung zu sichern, erbat man sich am 10. Sept. vom kaiserl. Kommandanten zu Wülzburg eine Salva-Guardia. Viele haben Haus und Hof verlassen. Seit drei Jahren reichen die Gefälle beim Vogtamt nicht mehr hin zur Bestreitung der Ausgaben. Es ist nicht abzusehen, wie sich der Pfarrer (Venediger) mit seinen vielen Kindern bis aufs nächste Jahr fortbringen

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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 463. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/465&oldid=- (Version vom 1.8.2018)