Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/28

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fand, entzieht sich unserer Kenntnis. Es wird wohl nach der Gründung der Pfarrei Ansbach eine nicht zu kurze Zeit verstrichen sein, ehe zunächst ein Filial und später eine selbständige Pfarrei errichtet wurde. Da der Zehnt von Weihenzell an das Stift zu Ansbach zu leisten war, könnte daraus der Schluß gezogen werden, daß Weihenzell als Niederlassung schon vor der Gründung der Pfarrei Ansbach bestand; doch ist auch die andere Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß der Zehnt ursprünglich im Besitze der genannten Pfarrei war und erst später mit dem übrigen Pfarrzehnten vom Stift eingezogen wurde. Solange weder in Ansbach noch in Weihenzell Pfarrsitze bestanden, war die sicher noch ganz spärliche Bevölkerung der Gegend kirchlich wohl auf die Pfarrei Sachsen angewiesen, was allerdings nur vermutungsweise ausgesprochen werden kann.[1]

 Als Kirchenheiliger erscheint der Apostel Jakobus. Er wurde erst im 12. Jahrhundert in Deutschland recht heimisch; aber die Kirche geht fraglos auf frühere Zeit zurück. Das bezeugt schon der stattliche Grundbesitz der Pfründe, sowie der reiche Zehnte aus Forst, Petersdorf, Aimershof (jetzt Wustung) und Wernsbach. Auch der Umfang der Pfarrei beweist ihr hohes Alter. Er umfaßte Zellrüglingen, Moratneustetten, Neubronn, Haasgang, Adelmannsdorf, Thierbach, Feßmühle, Thurndorf, Gebersdorf, Wippendorf, Grüb;[2] dazu die beiden Filialorte Forst und Wernsbach mit den dahin gehörigen Außenorten.

 Wernsbach erweist sich nicht nur durch das bis 1503 währende Filialverhältnis als eine Tochter von Weihenzell, sondern auch durch die Leistung eines sehr ausgiebigen Zehnten dorthin. Daß seine Lage auf höchst ungünstigem Gelände eine Spätsiedlung bekundet, wurde schon gesagt; von einer Fiskalkirche dort kann deshalb keine Rede sein (gegen Weigel). Auch die beiden Kirchenheiligen sind hiefür nicht ins Feld zu führen, da der eine, St. Martin, nicht nur in alter Zeit, sondern durch das ganze Mittelalter hindurch erscheint, der andere, St. Nikolaus, aber überhaupt erst um die Wende des 10. zum 11. Jahrhundert im Lande auftritt. Letzteres dürfte auch die Zeit der Erbauung der Kirche sein, wenn man nicht vielleicht noch weiter gehen muß. Die Weihe auf den Namen zweier Heiliger geschah um jene Zeit nicht selten. Die Dotation der Pfründe entspricht der späten Gründung und dem ursprünglichen Filialverhältnis: wenig Grundbesitz, dazu ein recht mäßiger Zehnt aus Hohenau, einem mit Wernsbach räumlich nicht in Verbindung stehenden, abseits gelegenen Orte.

 Forst läßt durch seine Zehntleistung an die Pfarrei Weihenzell erkennen, daß es ursprünglich zu dieser Parochie gehörte. Die von Dr. Weigel behauptete Filialzugehörigkeit zu der angeblichen Königspfarrei Kleinhaslach ermangelt jeder geschichtlichen Begründung. Der Name „Forst“ deutet überdies auf eine Spätsiedlung, entstanden durch Rodung im dortigen Forst, der, wenn nicht schon ursprünglich, so doch in sehr früher Zeit im Klosterbesitz stand. Auch die Kleinheit des Pfarrsprengels zeugt für kein


  1. Rusam 14 u. Karte.
  2. Schöffel 139.