Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/8

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 Man mag im einzelnen bei der Einreihung der Ortschaften in eine bestimmte Gruppe schwanken und da und dort eine Änderung vorzunehmen geneigt sein, aber im großen und ganzen wird an der Gruppierung nichts Wesentliches ausgesetzt werden können. Es macht auch für die Beurteilung des Siedlungsverlaufs und der anschließenden kirchlichen Organisation wenig aus, wenn man die eine oder andere Niederlassung nach oben oder nach unten verschiebt; das Resultat wird in seinen Grundzügen immer das gleiche bleiben.

 Vor allem wird an der These[1], daß die „bach“- und „ach“-Orte die ersten Siedlungen darstellen, während die Orte auf „dorf“ einer späteren Periode angehören, für das mittlere Rezatgebiet keinesfalls mehr festgehalten werden können. Man vergleiche nur einmal die nachbenannten Nachbarorte mit einander:

 Steinbach bei Ansbach in ungünstigster, das gegenüberliegende Alberndorf in günstigster Siedlungslage, wobei noch geschichtlich festzustellen ist, daß Steinbach von jeher zur Gemeinde Alberndorf gehörte mit gleicher einheitlicher Gemarkung, einheitlichem Weiderecht usw., woraus sich ergibt, daß Steinbach nur ein Ausbau von Alberndorf auf dem anderen Ufer der Rezat ist.

 Steinbach bei Bruckberg in ähnlicher Lage gegenüber dem gut gelegenen Gleizendorf auf der Höhe;

 Wattenbach in sumpfigem Grunde zwischen hängendem Gelände, und Wöltendorf auf freundlicher Höhe in zwar nicht bester, aber immer noch recht guter Bodenlage;

 Büschelbach im tiefen, engen Tal, und das nahe, hochgelegene und fruchtbare Ziegendorf;

 Dombach im Loch hinter Ansbach, und das behäbig daliegende Elpersdorf.

 Die Reihe ließe sich noch weiter fortsetzen. Das Resultat bleibt immer das gleiche: Die „bach“-Orte können in unserem Gebiete nicht den geringsten Anspruch auf den Rang von Erstsiedlungen erheben. Nur vereinzelte von ihnen sind der älteren Zeit zuzuzählen, besonders Onoldsbach (siehe unten). Die übergroße Mehrzahl weist durch ihre Siedlungslage auf spätere, zum Teil sogar auf sehr späte Zeit hin. Dagegen sind auf den günstigsten Fluren gerade die auf „dorf“ auslautenden Orte in stärkster Überzahl festzustellen. Auch bei der Gruppe der ältesten Ausbausiedlungen stehen diese Ortsnamen noch weit voran. Erst in der zweiten Ausbauperiode treten die „bach“-Orte mehr in den Vordergrund, während die Namen auf „dorf“ langsam verschwinden.


4. Die Zeit der Siedlung

 Natürlicherweise können keine genau feststehenden, urkundlich belegten Angaben gemacht werden, wann die Kolonisierung im mittleren Rezatgebiet begonnen hat und wie weit sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt vorgeschritten war. Aber aus mancher Urkunde können doch entsprechende Schlüße gezogen werden, die im Zusammenhalt mit der allgemeinen Zeitgeschichte und den besonderen lokalen Verhältnissen wertvolle Fingerzeige in dieser Richtung geben. Da ist zunächst die bekannte Urkunde von 786 zu nennen, die uns von dem Bestehen des Benediktinerklosters St. Gumberti berichtet, das


  1. Weigel 16, 10 u. 16.