Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.3 (1854).pdf/35

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früher in Weinberg und Schülerin von Mozart’s Sohn, lebt jetzt in Wien. –




F. Chopin,[H 1] Impromtu. Werk 29. – 4 Mazureks. Werk 30. – Scherzo. Werk 31.


Chopin kann schon gar nichts mehr schreiben, wo man nicht im 7ten, 8ten Tacte ausrufen müßte: „das ist von ihm!“ Man hat das Manier genannt und gesagt, er schreite nicht vorwärts.[H 2] Aber man sollte dankbarer sein. Ist es denn nicht dieselbe originelle Kraft, die euch schon aus seinen ersten Werken so wunderbar entgegenleuchtet, im ersten Augenblick euch verwirrt gemacht, später euch entzückt hat? und wenn er euch eine Reihe der seltensten Schöpfungen gegeben, und ihr ihn leichter versteht, verlangt ihr ihn auf einmal anders? Das hieße einen Baum umhacken, weil er euch jährlich dieselben Früchte wiederbringt. Es sind aber bei ihm nicht einmal dieselben, der Stamm wohl der nämliche, die Früchte aber in Geschmack und Wuchs die verschiedenartigsten. So wüßte ich obigem Impromtu, so wenig es im ganzen Umkreis seiner Werke zu bedeuten hat, kaum eine andere Chopin’sche Composition zu vergleichen; es ist wiederum so fein in der Form, eine Cantilene zu Anfang und Ende von reizendem Figurenwerk eingeschlossen, so ein eigentliches Impromtu, nichts

Anmerkungen (H)

  1. [GJ] II. 508. Anmerkung 26: Hierher gehört auch das Notturno in H dur (Werk 32 Nr. 1), das in Schlesingers Album du Pianiste erschien. Schumann sagte darüber: „Von Chopin enthält das Album ein Notturno, den Dichter in den ersten Tacten verrathend. Der Gesang des ersten Verses (man kann es so heißen) ist möglichst zart und wohllautend; matter dagegen, wie Chopins zweite Erfindungen so häufig, der zweite. Den Schluß halte ich für später angesetzt.“ – Ueber das in demselben Album erschienene H moll-Scherzo von Mendelssohn bemerkte Schumann: „Ein kleines Scherzo von Mendelssohn, schon früher (1829) als Beilage zur Berliner allg. musik. Zeitung (A. B. Marx) abgedruckt, macht sich trotz seiner Kürze oder vielmehr wegen ihr geltend. Es läßt sich kaum geistreicher sein in so wenig Sekunden.“ (1838, VIII, 70.) Commons
  2. [GJ] II. 508. Anmerkung 27: Diese Ansicht vertrat auch Zuccalmaglio, der die früheren Werke Chopins – die beiden Concerte, das Trio, die ersten Etüden und Mazurkas – den später geschriebenen vorzog. Als Wedel in den „Vertrauten Briefen an H. Heine“ (1838, IX, 1) bei der Erwähnung von Chopins außerordentlichem Spiel äußerte: „An Fertigkeit hat es wohl keiner der Meister ihm noch zuvorgethan, und an prunkenden fingergewandten Klangfiguren, Ausschmückungen der Gedanken kann man [509] den Künstler, aber auch nur in diesem, neben den verewigten Hummel stellen“, bemerkte Florestan dazu in einer Fußnote: „Dies Lob dünkt mir ein sehr kleines, wie denn diese beiden Künstler kaum zu vergleichen sind. Gewiß aber haben an Hummels Compositionen die Finger weit mehr Antheil als an Chopins.“ Commons