Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 02.djvu/046

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und 20 neue, also im ganzen 58 Namen, resp. Firmen erwähnt, deren Träger aber wohl in ihrer Thätigkeit zum Teil nicht selbständig gewesen sind, zum Teil anonym gearbeitet haben.

Ob in der heutigen Schweiz vor Basel schon in Beromünster gedruckt wurde, ist eine ziemlich müßige Streitfrage, die höchstens für Antiquare einige, für die Entwickelung des dortigen Buchhandels und Buchdrucks indessen gar keine Bedeutung hat; nach Siebers Forschungen ist Basel in der That der Zeit nach der erste Druckort der Schweiz. Denn wenn auch ein unbedeutender beromünsterer Druck (der „Mammotrectus“) die Jahreszahl 1470 trägt, so beweist diese Thatsache doch höchstens, daß man dort früher begonnen hat, Ort und Jahreszahl zu nennen. Es liegt deshalb auch für die Anfänge des schweizer Buchdrucks das Hauptgewicht auf Basel, und fast ein volles Jahrhundert steht diese alte Reichsstadt für ganz Deutschland im Vordergrunde der buchhändlerischen Thätigkeit und Bedeutung.

Das älteste bis jetzt entdeckte Datum für den Anfang der Buchdruckerkunst in der Stadt Basel bildet der Eintrag der Jahreszahl 1468, welchen ein Käufer in ein Exemplar von „Gregorii Magni Moralia in Jobum“ (Hain 7926) machte. Das betreffende Exemplar befindet sich noch heute in der Nationalbibliothek zu Paris. Indessen setzt die Fertigstellung der Schriften und der Druck des beträchtlichen Folianten[1] notwendig schon einen Zeitraum von ein paar Jahren voraus, wenn man selbst die Möglichkeit außer Betracht lassen will, daß das Werk nicht gleich seinem Erscheinen gekauft wurde. Es steht nicht einmal unbedingt fest, daß der umfangreiche Druck in der That der allererste Bote war, den die junge baseler Presse entsandte, und es fragt sich, ob nicht früher schon kleinere Vorläufer die Werkstätte des mainzer Gehilfen verließen, der hier in Basel als erster Pionier die Kunst Gutenbergs ausübte.

Berthold Ruppel (Bertolff von Hanowe, auch Röpel und Rippler genannt) ist nämlich der Mann, welcher die neue Erfindung nach Basel brachte. Im Jahre 1455 wird er zuerst im Prozeß Fusts gegen Gutenberg als des letztern Diener und „Druckerknecht“ genannt und mit dem später nach Nürnberg ausgewanderten Heinrich Kefer als Zeuge vorgeladen. Wann und wie er nach Basel kam, läßt sich nicht bestimmen. Sei es, daß er schon im Jahre 1455, bald nach der Auflösung der


Fußnoten

  1. Sieber, L., „Ein Basler Druck von 1468“ im Feuilleton der Basler Nachrichten vom 2. März 1879 (Bericht über einen Vortrag, den der gelehrte Bibliothekar am 20. Februar 1879 in der Historischen Gesellschaft in Basel gehalten hatte.) Der Eintrag lautet: „Hunc solvi anno MCCCCLXVIII Joseph de Virgers praesbiter ecclesiae St. Hylarii Moguntini“ und zeigt nach Sieber eine dem 15. Jahrhundert angehörige Handschrift.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_02.djvu/046&oldid=- (Version vom 1.8.2018)