Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1

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Textdaten
Autor: Friedrich Kapp
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Titel: Geschichte des Deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert
Untertitel:
aus: Geschichte des Deutschen Buchhandels
Herausgeber: Historische Kommission des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1886
Verlag: Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans auf Commons; E-Text erstellt durch Directmedia für die CD-ROM Geschichte des deutschen Buchwesens, ISBN 3-89853-426-X
Kurzbeschreibung: Geschichte der Buchdruckerei und des Buchhandels in Deutschland bis zum 17. Jahrhundert. Das Gesamtwerk wurde von Johann Goldfriedrich (1870–1945) fortgeführt und umfasst drei weitere Bände.
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Titel

[II]
Geschichte des Deutschen Buchhandels

Im Auftrage des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler herausgegeben von der

Historischen Kommission desselben.

Erster Band.

Geschichte des Deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert.

Leipzig.

Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler.

1886.
[III]
Geschichte des Deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert.

Von Friedrich Kapp.

Aus dem Nachlasse des Verfassers herausgegeben von der Historischen Kommission

des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler.

Mit drei lithographirten graphisch-statistischen Tafeln.

Leipzig.

Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler.

1886.

Vorwort

[V] Vorwort.

Es ist eine schmerzliche Pflicht, welcher die unterzeichnete Kommission nachkommt, indem sie in dem nachstehenden Bande das in langjähriger, mühevoller und ernster Arbeit fast zum Abschluß gereifte Werk eines Verstorbenen in die Öffentlichkeit einführt. In rüstigster Schaffenskraft, unter den denkbar günstigsten Verhältnissen hatte Friedrich Kapp das große Werk unternommen; inmitten der Arbeit, noch vor gänzlicher Vollendung des ersten Bandes, hat ihn ein schneller und unerwarteter Tod hinweggerafft. Es ist ihm versagt geblieben, die Gedanken und Gesichtspunkte darzulegen, welche ihm bei seiner Arbeit vorschwebten.

Das Fehlen dieser für das volle und richtige Verständnis des Werkes eigentlich unentbehrlichen Darlegung ist eine schwer zu beklagende Lücke; sie kann aber von keiner andern Seite ausgefüllt werden. Selbst die unterzeichnete Kommission, obschon sie eine längere Reihe von Jahren mit dem Verstorbenen im engsten Verkehr gestanden, mit ihm gemeinschaftlich gearbeitet hat, vermag dies nicht. Die Kommission muß sich darauf beschränken, den geschichtlichen Verlauf der Entstehung des Werkes zu schildern und über ihre Thätigkeit bei der Herausgabe der unvollendet hinterlassenen Arbeit Kapps zu berichten.

Schon frühzeitig hat sich im Kreise der Buchhändler ein regeres Interesse für die Geschichte ihres Berufes kundgegeben; wiederholt waren seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts Versuche gemacht worden, eine solche zu schreiben. Aber Überschätzung der eigenen Kraft, Unterschätzung der großen Schwierigkeiten der Aufgabe, mangelndes Verständnis bei der Auffassung derselben und für den richtigen Weg der Forschung ließen sie scheitern; nur wertlose Fragmente waren das schließliche Resultat. Erst in den letzten Jahrzehnten hatten einige wenige Monographien [VI] und Spezialarbeiten auf den richtigen Weg hingewiesen, auf dem zum erwünschten Ziele zu gelangen wäre. Völlig brach aber hatte auch da noch die archivalische Forschung auf diesem Gebiete gelegen; und erst mit ihrer Hilfe war eine wirkliche Geschichte des Deutschen Buchhandels zu schaffen. Sie konnte überhaupt auch nicht geschaffen werden als das Produkt der Mußestunden selbst des enthusiastischsten Liebhabers derartiger Studien; die Lösung der Aufgabe verlangte das Einsetzen einer vollen und ganzen Kraft, sie verlangte für die archivalische Forschung die Aufwendung größerer Mittel, als ein Einzelner auf die Vorarbeiten verwenden konnte.

Diese Erwägungen veranlaßten Dr. Eduard Brockhaus in Leipzig, unter dem 8. April 1875 an den Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler den Antrag zu richten: die Abfassung einer umfassenden Geschichte des Deutschen Buchhandels unter seine Ägide zu nehmen. Wie sehr dieser Antrag vielseitig gehegten Wünschen entgegenkam, zeigte die Aufnahme, welche derselbe bei dem damaligen Vorstande fand.

Der Antragsteller hatte vorerst nur befürwortet, daß zur weitern Prüfung, in welcher Art die Aufgabe zu lösen sei, eine besondere Kommission ernannt werden möge. Der Vorstand des Börsenvereins ging sofort darüber hinaus; er nahm den Antrag nicht nur seinerseits an, er erweiterte sogar noch den Wirkungskreis der Kommission. In dieser erweiterten Form wurde der Antrag sodann am 14. Mai 1876 von der Generalversammlung des Börsenvereins einstimmig genehmigt. Die Kommission wurde alsbald unter dem Namen der Historischen Kommission des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler gewählt; sie trat sofort in Thätigkeit und es gelang schon am 4. Oktober 1876 auf einer in Halle abgehaltenen Konferenz, eine Verständigung über den Plan des weitern Vorgehens herbeizuführen. Die einzelnen Mitglieder hatten vorher ihre Anschauungen in besonderen Gutachten niedergelegt.

Der Vorstand des Börsenvereins, und demnächst der Börsenverein selbst in seiner Generalversammlung vom 29. April 1877, erteilten auch diesem Plane ihre Zustimmung, bewilligten die erforderlichen Mittel und setzten nunmehr die Historische Kommission als eine dauernde nieder. Sie hatte bis dahin aus Dr. Eduard Brockhaus in Leipzig (Vorsitzender), Eduard Frommann in Jena, Dr. Oskar Hase in Leipzig, Dr. Albr. [VII] Kirchhoff in Leipzig und Dr. Gustav Schwetschke in Halle bestanden; sie ergänzte sich aber nunmehr auf Grund des ihr zugestandenen Kooptationsrechts durch zwei weitere Mitglieder: Geh. Hofrat Dr. Gustav Freytag, damals in Siebleben bei Gotha, und Geh. Hofrat Professor Dr. Fr. Zarncke in Leipzig. Im Verlauf der Jahre unterlag dieser Mitgliederbestand verschiedenen Wandlungen. Zuerst wurde Eduard Frommann in Jena der Kommission durch den Tod entrissen; sein Nachfolger, Adolf Enslin in Berlin, der als früherer Vorsteher des Börsenvereins das Unternehmen auf das sympathischste erfaßt und gefördert hatte, folgte ihm schnell, noch ehe er eine Wirksamkeit zu entfalten vermochte. Fast gleichzeitig starb auch Dr. Gust. Schwetschke. Ihre Stellen wurden durch Otto Harrassowitz in Leipzig und August Schürmann in Halle ausgefüllt. Schließlich mußte im Jahre 1885 Dr. Oskar Hase infolge seiner Wahl in den Börsenvereinsvorstand den Statuten gemäß ausscheiden. An seiner Statt wurde Wilhelm Hertz in Berlin kooptiert, der schon seiner Zeit als treuer Freund und Genosse Enslins im Vorstande den regsten Anteil an der Begründung des Unternehmens genommen hatte.

So war die Kommission denn im Juli 1877 in der Lage, einen öffentlichen Aufruf an alle deutschen Gelehrten und Schriftsteller, deren Studienrichtung die zu lösende Aufgabe nahelag, zu richten, sich wegen Übernahme eines die Geschichte des Deutschen Buchhandels von Erfindung der Buchdruckerkunst an bis zur neuesten Zeit umfassenden Werkes, oder einer Beteiligung an demselben, mit der Historischen Kommission in Verbindung zu setzen. Das Werk sollte auf wissenschaftlicher Forschung beruhen und die Ergebnisse derselben in einer gemeinverständlichen und übersichtlichen Darstellung geben. Der Inhalt wurde im allgemeinen dahin umgrenzt, daß das Druckereigeschäft nur nebensächlich erwähnt, Litteratur- und Kulturgeschichte in den Rahmen der Darstellung gezogen, ihr Einfluß auf das buchhändlerische Gewerbe, und umgekehrt die Förderung oder Schädigung der Litteratur durch den Buchhandel eingehend geschildert werden sollten. Als Hauptaufgabe des Werkes wurde indessen betont, daß dasselbe „den Charakter des Büchermarktes historisch zu verfolgen und die Geschichte des Geschäftsbetriebes in ihrer allmählichen Entwickelung festzustellen habe“. Der Buchhandel im Altertum und Mittelalter, die ganze Zeit vor Erfindung der Buchdruckerkunst, sollte nur in der Einleitung in großen Zügen behandelt werden. [VIII] Die (eigentliche) Geschichte selbst dachte sich die Kommission in fünf Perioden zerfallend: die erste Periode bis zum Jahre 1564, dem Erscheinen des ersten Meßkatalogs; die zweite bis zum Westfälischen Frieden; die dritte bis zum Eingehen des Frankfurter Meßkatalogs und dem entschiedenen Übergewicht Leipzigs (1765); die vierte bis zur Gründung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler; die fünfte die Neuzeit umfassend. Der Umfang des Werkes sollte womöglich 100 Druckbogen in groß Oktav nicht überschreiten.

Die Kommission verhehlte sich nicht, daß die Vorarbeiten und die Sammlung des Materials für ein derartiges Werk einen längern Zeitraum erfordern würden, ja, daß es sogar fraglich sei, ob so bald und binnen welcher Frist sich ein geeigneter Bearbeiter für dasselbe gewinnen lassen werde. Es wurde deshalb gleichzeitig die Begründung einer in zwanglosen Heften oder Bänden erscheinenden Zeitschrift, des „Archivs für Geschichte des Deutschen Buchhandels“, beschlossen, dessen Bestimmung es sein sollte, durch Veröffentlichung ausführlicher Spezialarbeiten, sowie von Urkunden, Akten u. dgl., den eventuellen Bearbeiter des großen Werkes zu unterstützen und das Interesse an dem ganzen Unternehmen inzwischen rege zu erhalten und zu fördern.

Die Herausgabe dieses Archivs wurde unverweilt in Angriff genommen; das erste Heft erschien bereits Ende des Jahres 1877. Aber schon während der Vorbereitungen dazu hatte die Kommission das kaum erhoffte Glück, in Friedrich Kapp die wissenschaftliche Kraft zu finden, welche bereit und im Stande war, die große Aufgabe: eine Gesamtgeschichte des Deutschen Buchhandels zu schreiben, auf sich zu nehmen und sich ihr voll und ganz zu widmen. Einstimmig hatten der Vorstand des Börsenvereins und die unterzeichnete Kommission in einer am 25. September 1877 in Koburg abgehaltenen gemeinschaftlichen Sitzung beschlossen, Friedrich Kapp die Bearbeitung zu übertragen, und am 19. Mai 1878 wurde – nachdem die notwendigen Formalitäten (wie Genehmigung seitens der Generalversammlung u. s. w.) erledigt waren – der erforderliche Vertrag mit ihm abgeschlossen. In demselben waren zehn Jahre für die Fertigstellung des großen Werkes in Aussicht genommen; fünf davon wurden auf die umfänglichen und zeitraubenden Vorarbeiten gerechnet.

Angestrengt und unentwegt hat sich Kapp seit diesem Zeitpunkt seiner großen und schweren Aufgabe gewidmet, in ununterbrochenem engsten [IX] Verkehr mit der Historischen Kommission. In reichstem Maße hat diese dabei Gelegenheit gehabt, den Ernst und die strenge Gewissenhaftigkeit seines Arbeitens kennen zu lernen, den Eifer, mit welchem er sich in einen ihm zunächst fremdartigen Stoff einzuleben und zu vertiefen, dessen Besonderheiten sich zu eigen zu machen bestrebt war. Seine liebenswürdigen Eigenschaften machten diesen Verkehr zu einem wohlthuenden. Fern lag ihm der einseitige Gelehrtenstolz, der starr und selbstbewußt an der eigenen Ansicht, an der durch den eingeschlagenen individuellen Weg der Forschung gewonnenen Anschauung festhält. Gern war er im Gegenteil bereit, auf den Ausgleich der sich etwa entgegenstehenden Meinungen einzugehen und sich in demselben das anzueignen, was er als das Richtigere oder Begründetere anzuerkennen vermochte. Kapps unerwartet eintretender jäher Tod hat diese Beziehungen vorzeitig zerrissen. Aber den Freundesdank für die wohlthuenden Erinnerungen und für sein treues Arbeiten glaubte die Historische Kommission dem Verstorbenen nicht besser abstatten zu können, als dadurch, daß sie für den Abschluß des unvollendet gebliebenen ersten Bandes eintrat, und zwar zu einem Teil mit ihren eigenen Kräften: durch Geh. Hofrat Professor Dr. Fr. Zarncke und durch Dr. Albr. Kirchhoff.

Als Friedrich Kapp von der Arbeit abgerufen wurde, hatte er das erste, dritte und fünfte bis siebente Kapitel beendet; aber nur das fünfte bezeichnete er als völlig druckreif. Für die andern war der Abschluß der Arbeit nur ein vorläufiger; sie waren noch einer Schlußrevision zu unterziehen. Am zweiten Kapitel fehlte der verhältnismäßig nicht sehr bedeutende Schlußteil, für welchen jedoch das Material fast vollständig bereit lag. Dem achten Kapitel mangelte die zweite größere Hälfte, sowie der Zusammenschluß mit dem fast fertigen Anhang. Andeutungen hierfür, sowie für die Erläuterung der zu diesem Kapitel gehörigen graphischen Tafeln fanden sich im Nachlasse nicht vor; nur eine kurze Disposition von vier Zeilen gab einen schwachen Fingerzeig dafür, wie der Verfasser sich den Abschluß des Kapitels im allgemeinen vorgestellt hatte. Ebenso waren das neunte und zehnte Kapitel noch unvollendet; doch war für sie wenigstens das Material in sehr reichhaltigen Aktenauszügen größtenteils vorhanden. Zu diesen Lücken der Arbeit ist es dagegen nicht zu zählen, daß in dem ersten Bande Leipzigs, seiner Stellung und seiner Messe nur nebenher gedacht wird. Es lag vielmehr [X] in Kapps Plane, den zweiten Band, die neuere Geschichte, um diesen Mittelpunkt zu gruppieren.

Behufs Ausfüllung jener thatsächlichen Lücken übernahm Geh. Hofrat Professor Dr. Fr. Zarncke die Erläuterung der erwähnten graphischen Tafeln, deren Ausführung überhaupt schon auf seinen Ideen und den von ihm gelieferten Unterlagen beruhte, Dr. Albr. Kirchhoff die Durchsicht und letzte Revision des ganzen Manuskripts, bei der hier und da noch erforderlichen stilistischen Abglättung auf das bereitwilligste von Herrn Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Alfred von der Leyen, dem Schwiegersohn und Neffen Kapps, unterstützt, sowie die Sorge für den Abschluß der noch unvollendeten Kapitel, unter energischer und verständnisvoller Beihilfe des Herrn F. Herm. Meyer, Bibliothekars des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler.

Das Mandat zu dieser eingreifenden Thätigkeit hatte Dr. Kirchhoff gewissermaßen von dem Verstorbenen selbst erhalten; es ist gleichsam ein Vermächtnis desselben. Als Kapp im März des Jahres 1884 das Vorgehen bei der Drucklegung des Werkes mit der Historischen Kommission beriet, hatte er selbst den Wunsch ausgesprochen, daß Dr. Kirchhoff etwaige Bemerkungen u. s. w. auf einen Fahnenabzug eintragen möge, um diese Bemerkungen eventuell einer Erwägung unterziehen zu können. Ob der hiernach von Kapp selbst in Aussicht genommene Meinungsaustausch Einfluß auf einzelne Teile der Arbeit ausgeübt haben würde und welchen – das steht dahin. Jetzt mußte jede etwa abweichende Anschauung oder Auffassung des Herausgebers unbedingt hinter der des Verfassers zurücktreten.

Dagegen erschien es nicht nur erlaubt und zulässig, sondern sogar wünschenswert, noch mancherlei wichtige Daten und Ergänzungen einzufügen, die sich größtenteils aus Dr. Kirchhoffs jüngsten Arbeiten im hiesigen städtischen Archiv ergeben hatten. Dieses Material wäre dem Verfasser zur Verfügung gestellt worden und er hätte es benutzt, falls ihm eine längere Lebensdauer beschieden gewesen wäre, wie er ja auch im Jahre 1884 aus Dr. Kirchhoffs ihm zur beliebigen Benutzung überlassenen Excerpten aus den Akten der sächsischen Bücherkommission nicht weniger als hundert Folioseiten in Abschrift entnommen hatte; sie sollten wahrscheinlich im zweiten Bande Verwendung finden. Aber bei diesen Nachträgen und Ergänzungen ist selbstverständlich nur das benutzt worden, [XI] was sich zwanglos in die Darstellung des Verfassers einfügen ließ, was in dem festgefügten Rahmen der von ihm gewählten Disposition des Stoffes eine Stätte finden konnte und dabei mit der Auffassungsweise des Verfassers im Einklang stand.

Eine Aufführung aller dieser Zuthaten wäre ermüdend und zwecklos. Wohl aber ist Rechenschaft abzulegen über die von Dr. Kirchhoff und F. Herm. Meyer herrührenden größern Zusätze und Kapitelabschlüsse.

Vom zweiten Kapitel hatte Kapp das Manuskript bis zur Mitte von Seite 149, sowie den Abschnitt: Wien (S. 160–165) fertiggestellt; der Schluß des Abschnitts: Leipzig (S. 149–160) ist von F. Herm. Meyer, und zwar größtenteils nach den von Dr. Kirchhoff gelieferten Unterlagen, bearbeitet, der Abschluß des Kapitels (S. 165–179) von ebendemselben, teilweise nach Kapps Rohmaterial, dabei dieses vervollständigend, teilweise selbständig (die Abschnitte: Magdeburg, Tübingen, Wittenberg).

Im achten Kapitel reichte Kapps Manuskript bis zur Mitte von S. 468. Von den Ergänzungen stammen S. 468–479 (oben) von Dr. Kirchhoff, S. 479–490 (die Geschichte des Meßkatalogs) von F. Herm. Meyer, der Abschluß des Kapitels und der Anfang des Anhangs, S. 491–502, wieder von Dr. Kirchhoff her; nur zwei kleine Stellen sind aus Kapps fragmentarischen Entwürfen entnommen. Der erwähnte Anhang, die Biographien Plantins und der Elseviere, ist wieder aus Kapps Feder; doch hat Dr. Kirchhoff in erstere die von jenem von seiner letzten antwerpener Reise mitgebrachten geschäftlichen Notizen und auf Grund von dessen Disposition die S. 506 (vom letzten Absatz ab) bis 509 eingefügt.

Das neunte Kapitel lag bis S. 578 fertig vor; von hier (Ulm) ab bis zum Schluß, S. 607, ist es von F. Herm. Meyer bearbeitet, unter Benutzung einiger schon von Kapp flüchtig konzipierten Stellen (auf S. 587, 588 und 591–594 oben: Brandenburg und der Anfang von Sachsen).

Die umfänglichste Ergänzung machte sich im zehnten Kapitel erforderlich. Hier reicht Kapps eigene Arbeit bis zum Schluß der S. 676; sie lag bis dahin bereits im Anfang des Jahres 1884 vor. Zur Vervollständigung der Materialien, namentlich über die Frage der Büchertaxe, durchforschte Kapp zunächst noch erst das wiener Archiv; die von ihm zur Einfügung zurechtgelegten Excerpte sind von Dr. Kirchhoff in den Text verwoben worden. Gleicherweise fand sich auch der Anfang des [XII] Streites wegen der Büchertaxe ausgearbeitet vor. Aber teils der Umstand, daß Kapp auch hierzu noch Materialien in Wien ermittelt hatte, teils der, daß ein glücklicher Zufall noch weitern wichtigen Stoff unter den frankfurter Aktenabschriften auffinden ließ – er war unter die Abschriften aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geraten – machten eine völlige Umarbeitung des betreffenden Teils des vorliegenden Manuskripts notwendig; nur wenige Fragmente desselben konnten erhalten bleiben. So ist denn der weitere Teil dieses Kapitels, von S. 677 bis Mitte 730, eine von F. Herm. Meyer fast ausschließlich auf Grund des Kappschen Aktenmaterials gelieferte, den regestenartigen Charakter der Kappschen Anlage festhaltende Arbeit, der Dr. Kirchhoff seinerseits nur einige Ergänzungen – namentlich das Eingreifen des Corpus Evangelicorum – ein-, und den Abschluß des Kapitels von der Mitte der S. 730–735 angefügt hat. Im Zusammenhang damit ist auch der Exkurs über den Buchhandel der Juden in den Anmerkungen (S. 839–842) aus der Feder von F. Herm. Meyer. Das Namen- und Ortsregister haben die Angehörigen des Verstorbenen eingesandt.

Sowohl Dr. Kirchhoff, als auch Meyer, sind bei ihrer Arbeit bestrebt gewesen, sich der Darstellungs- und Behandlungsweise des Verfassers anzuschmiegen, soweit dies überhaupt andern Individualitäten möglich ist. Sollte die kritische Würdigung des Werkes ergeben, daß ihnen dies einigermaßen gelungen ist, so würden beide darin die wohlthuendste Anerkennung finden für eine derartige dornenvolle und an sich die damit Betrauten nie voll befriedigende Thätigkeit.

So möge denn das schicksalsreiche Unternehmen seinen Weg in die Öffentlichkeit antreten und möge ein günstiges Geschick es fügen, daß die in langjähriger, angestrengter Thätigkeit vorbereitete Arbeit Friedrich Kapps der Ergänzung und Fortsetzung nicht allzulange zu harren habe. Über diese angestrengte Thätigkeit Kapps selbst und über seinen Lebensgang berichtet nachstehend auf den Wunsch der Historischen Kommission Herr Dr. von der Leyen noch speziell in eingehender Weise.

Leipzig, im März 1886.
Die Historische Kommission

des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler.

In deren Auftrag: Dr. Albrecht Kirchhoff.

Biographie Friedrich Kapp

Hinweis (Wikisource): Autor der Biographie ist Alfred von der Leyen (1844–1934).

[XIII] Friedrich Kapp wurde am 13. April 1824 zu Hamm in Westfalen als Sohn des Gymnasialdirektors Dr. Friedrich Kapp geboren. Er besuchte daselbst das Gymnasium, und hat vor allen Dingen den Unterricht seines Vaters, eines hochbegabten Lehrers und eines politisch und religiös frei denkenden Mannes, sein Leben lang in dankbarer Erinnerung behalten. Von 1842 bis 1845 studierte Kapp in Heidelberg und in Berlin die Rechte und trat dann im Frühjahr 1845 in seiner Vaterstadt in den praktischen Justizdienst, aus welchem er infolge der politischen Unruhen am 12. April 1848 freiwillig ausschied. Er begab sich nach Frankfurt a. M., wo er als parlamentarischer Berichterstatter für mehrere Zeitungen arbeitete. Der Septemberputsch nötigte ihn zur Flucht. Die folgenden Jahre verlebte er in Brüssel, Paris und Genf; im März 1850 schiffte er sich nach Newyork ein. Dort hat er die nächsten zwanzig Jahre seines Lebens zugebracht. Sein Lebensberuf war während der längsten Zeit daselbst der eines Rechtsanwalts und Notars. Daneben beteiligte er sich eifrig am politischen Leben, vor allem während der Zeit des Bürgerkriegs, und entwickelte eine reiche und fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit. Zwei seiner dort verfaßten größern Werke[1] sind der Erörterung der Sklavenfrage gewidmet, die übrigen bilden die ersten urkundlichen und quellenmäßigen Untersuchungen über die Geschichte und die Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten.[2] Diese Schriften haben, wie keine andern vor und nach ihnen, zur Hebung des Deutschtums [XIV] in den Vereinigten Staaten beigetragen und damit dem gewaltigen Umschwung den Boden geebnet, welchen unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Kriegs die Stellung der Deutschen in den Vereinigten Staaten erfuhr. Ihre wissenschaftliche Bedeutung anerkannte die philosophische Fakultät der Universität Bonn dadurch, daß sie den Verfasser im Jahre 1868 zum Ehrendoktor ernannte.

In Newyork bekleidete Kapp auch von 1866 bis 1870 das Ehrenamt eines Mitglieds des Board of the Commissioners of Emigration.

Im Frühjahr 1870 kehrte er nach Deutschland zurück, nahm seinen Wohnsitz in Berlin und erwarb alsbald wieder das preußische Staatsbürgerrecht. Schon während des Kriegs bot sich ihm neue Gelegenheit zu gemeinnützigem Wirken. Die in Amerika gebildeten Hilfsvereine zur Pflege der Verwundeten und Unterstützung der Witwen und Waisen der Gefallenen ersuchten ihn um seine Vermittelung bei Verwendung der aufgebrachten reichen Gelder, zu welchem Zweck er in das berliner Centralkomitee eintrat. Sogleich nahm er dann regen Anteil an dem öffentlichen und politischen Leben. Er war kurze Zeit Stadtverordneter in Berlin und vertrat von 1872 bis 1878 und von 1881 bis 1884 als Mitglied der nationalliberalen, später der deutschfreisinnigen Partei den Wahlkreis Salzwedel-Gardelegen im Reichstage, von 1874 bis 1877 denselben Wahlkreis auch im preußischen Abgeordnetenhause. Daneben war er litterarisch zunächst auf demselben Gebiete, wie in Amerika weiter thätig, wobei er auch auf eine Berichtigung der deutschen Anschauungen über die amerikanischen Zustände hinwirkte.[3]

Seit dem Herbst 1877 hatte er sich in der „Geschichte des Deutschen Buchhandels“, zu deren Bearbeitung, wie S. VI fg. näher ausgeführt, der Börsenverein der Deutschen Buchhändler die Anregung gegeben hatte, eine neue Aufgabe gestellt, und dieses Werk bildete von Jahr zu Jahr mehr den alleinigen Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Thätigkeit; um sich ihm ausschließlich zu widmen, hatte er im Sommer 1884 auch abgelehnt, sich wieder um einen Sitz im Reichstage zu bewerben.[4] Wie diese Arbeit [XV] vom Abschluß des Vertrags bis zu seinem Todesjahre fortgeschritten ist, darüber hat er vom 1. April 1879 bis 20. Januar 1884 im ganzen sechs Berichte an die Historische Kommission des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler erstattet. Die fünf ersten Berichte bilden die Eingangsartikel des 4., 6., 7., 8. und 9. Bandes des Archivs für Geschichte des Deutschen Buchhandels; der letzte Bericht ist abgedruckt in dem amtlichen Teile der Nr. 78 des Börsenblattes für den Deutschen Buchhandel.

Gleich in dem ersten dieser Berichte legt der Verfasser die Grundsätze dar, von welchen er bei Bearbeitung der Werkes auszugehen gedenkt und auch ausgegangen ist. Nur zwei Gesichtspunkte können seiner Meinung nach hierbei in Betracht kommen: „einmal der antiquarisch-statistische, welcher bei der Natur seiner Voraussetzung notwendigerweise seine Hauptstärke in Zahlen, Notizen und oft ansprechenden, oft langweiligen Einzelheiten oder Liebhabereien findet; dann aber die wissenschaftliche Auffassung und Durchführung des Themas, welche den organischen Zusammenhang des Buchhandels mit der allgemeinen deutschen Kulturentwickelung nachzuweisen und den bleibenden geistigen Gehalt, den dauernden nationalen Gewinn aus den lose nebeneinander oder ineinander laufenden Thatsachen herauszuschälen strebt“. Kapp will seine Aufgabe vom letztern Standpunkte aus lösen: „In unsern Tagen“, so sagt er weiter, „wo die bisher zersplitterten deutschen Stämme kaum erst ihre äußere Einheit wiedergefunden haben, kann nur diejenige Geschichtschreibung anregend und nachhaltig wirken, welche diese vaterländischen Strömungen zu läutern und zu vertiefen strebt, welche, indem sie sich der Einzeldarstellung eines so wichtigen Förderers unserer heimischen Bildung, wie des Buchhandels, zuwendet, dem Geiste unsers Volkes bis ins A-B-C-Buch hinein, wenn ich so sagen darf, nachgeht und welche ihn von seinen bescheidensten Regungen an bis zu seinen Großthaten dem allgemeinen Verständnis näher rückt.“

Vor allem und zuerst ging der Verfasser mit Eifer und Nachdruck an die Durchforschung der Archive. Er begann mit dem Besuche von Nürnberg, Augsburg, Ulm, Zürich, Basel und Karlsruhe im Frühjahr [XVI] 1878; im Herbst des Jahres folgte der Besuch von Düsseldorf und Köln, sowie später von Bremen und Hamburg; der ganze Winter 1878 auf 1879 wurde den eingehendsten und sorgfältigsten Studien in dem Geheimen Staatsarchiv zu Berlin gewidmet. Daran schloß sich im Mai 1879 ein Besuch des städtischen Archivs in Frankfurt a. M., welcher im Mai des folgenden Jahres wiederholt werden mußte. Im Juni 1880 war Kapp in Dresden, im Herbst 1881 zum zweiten mal in Augsburg, Ende März und Anfang April 1883 in Wien, und den Abschluß dieser Thätigkeit machte der verhängnisvolle Besuch des Musée Plantin in Antwerpen am 15. bis 19. Oktober 1884, von welchem er zu Tode erkrankt nach Berlin zurückkehrte. Der Zweck dieses Besuchs, über einige dunkle Punkte des buchhändlerischen Geschäftsbetriebes und der Messen in Frankfurt a. M. Klarheit zu schaffen, wurde im wesentlichen erreicht. Das leipziger Archiv hat Kapp nicht selber durchforscht; die Akten der sächsischen Bücherkommission wurden hier erst zu einer Zeit gleichsam wieder entdeckt, als er schon an die Ausarbeitung des Werkes selbst ging. Er konnte sich hier aber auf die Beihilfe Dr. Albr. Kirchhoffs stützen.

In den Archiven beschränkte sich Kapp meist darauf, alle vorhandenen Akten einer genauen Durchsicht zu unterziehen und diejenigen Aktenstücke sodann zu verzeichnen, welche für die Arbeit von Bedeutung waren. Abschriften dieser Aktenstücke ließ er demnächst anfertigen. Ein umfangreiches Material ist auf diese Weise gesammelt worden, welches teils bei Bearbeitung des ersten Bandes benutzt werden konnte, teils dem einstigen Fortsetzer und Vollender des Werkes sicherlich von großem Werte sein wird. Das Material ist wohlgeordnet dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler von den Hinterbliebenen übergeben worden. Bei Bearbeitung der reichen archivalischen Schätze von Zürich und Basel wurde der Verfasser in wirksamster Weise durch seinen Freund und Vetter August Kapp in Zürich unterstützt. Auch an der Ausarbeitung einiger Abschnitte des Werkes wollte sich dieser beteiligen, als ihn ein schweres Leiden aufs Krankenlager warf, welchem er 26. Juni 1883 erlegen ist.

Bei seinen archivalischen Studien fand Kapp überall das liebenswürdigste Entgegenkommen und die nachhaltigste Hilfe sämtlicher Archivbeamten. Er hat allen diesen Förderern seiner Arbeit in seinen Berichten wiederholt den aufrichtigsten Dank ausgesprochen.

[XVII] Schon in seinem dritten Bericht (vom 10. März 1880) konnte Kapp mitteilen, daß er mit Anfertigung eines chronologischen und sachlichen Index an die Verarbeitung der gesammelten Materialien herangetreten sei. Wie aus dem vierten Bericht zu ersehen, begann er im Sommer 1880, um sich, wie er sagt, Bedenken und Zweifel aus dem Kopfe zu schlagen und seine Kraft zu erproben, an die Darstellung selbst zu gehen. Im Sommer, während des Aufenthalts auf dem Lande, ward die neuere Geschichte, vor allem die Ausbeute des berliner Archivs, in Angriff genommen, im Winter 1880 auf 1881 wurden die Anfänge der Buchdruckerkunst und der ersten Entwickelung des Buchhandels bearbeitet. Eine erste Frucht dieser letztern Studien war ein Vortrag, welchen Kapp im Februar 1881 vor einem zahlreichen und gewählten Publikum in der Singakademie zu Berlin „über Gutenberg“ gehalten hat.

Von jetzt an ging die Fortsetzung der Ausarbeitung mit der Fortsetzung der Quellen- und Litteraturstudien Hand in Hand. Die Darstellung des ersten Jahrhunderts des Buchhandels machte besondere und stets neue Schwierigkeiten, und doch mußte dieser Zeitraum am ausführlichsten behandelt werden, weil in demselben die Grundlage für das eigenartige Geschäftsgetriebe des deutschen Buchhandels gelegt worden ist, und weil die über denselben vorhandenen Vorarbeiten, mehr als die über die spätern Zeiten, sich nur auf Einzelheiten erstreckten und des organischen Zusammenhangs entbehrten. Gleichwohl hoffte Kapp in seinem (am 1. April 1882 erstatteten) vierten Bericht, gegen Ende 1883 den Druck des ersten Bandes in Angriff nehmen zu können, hielt an dieser Hoffnung auch noch in dem fünften Bericht (von 14. Januar 1883) fest, und teilte im sechsten Bericht (am 20. Januar 1884) mit, daß infolge des Todes von August Kapp dieses Ziel nicht habe erreicht werden können.

Kapp hatte sich nach und nach dahin schlüssig gemacht, den gesamten Stoff seines Werkes in zwei Bänden zu verarbeiten. Im fünften Bericht begründet er diese Einteilung wie folgt:

„Der natürliche Schluß des ersten Bandes fällt in die zweite Hälfte, gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert erlebte der deutsche Buchhandel seine bis dahin höchste Blüte und seinen tiefsten Niedergang; jene unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Kriege, diesen mit dem im Gefolge des letztern auftretenden politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Elend. Es scheint mir deshalb auch das Beste, den [XVIII] ersten Band bis zu dem letztern Zeitpunkte, also dem Ende des 17. Jahrhunderts, fortzuführen, wo die lateinische Sprache vor der deutschen zurücktritt, wo Frankfurt seine internationale Bedeutung verliert und Leipzig in beschränkterm, nationalem Sinne die Aufgeben der frankfurter Buchhändlermessen fortführt.“

Als Kapp die Arbeit übernahm, hatte er sich vorbehalten, für einzelne Abschnitte hinzuzuziehen, weil eine gewisse Teilung der Arbeit notwendig sein werde. Einzelne Versuche, Mitarbeiter zu gewinnen, über welche die Berichte sich äußern, sind schließlich fehlgeschlagen; jedoch gelang es, Herrn Regierungsrat Bucher in Wien und Herrn Professor Dr. Lewis in Greifswald zur Übernahme, und zwar den erstern des vierten Kapitels (Äußeres des Buchs), den letztern des Schlußkapitels (Nachdruck) zu bestimmen. Das vierte Kapitel hatte Kapp im Sommer 1884 erhalten und noch selbst mit Freude und Genugthuung gelesen; das elfte Kapitel ist erst nach seinem Tode abgeschlossen, nachdem sich übrigens Kapp über den Plan und die Darstellung mit Herrn Professor Lewis vollkommen verständigt hatte.

Der Zustand, in welchem sich die Handschrift des ersten Bandes der Geschichte des Deutschen Buchhandels an dem Todestage des Verfassers, dem 27. Oktober 1884, befand, ist in dem Vorworte S. IX fg. dargelegt, auch ist daselbst berichtet, wie und von welchen Herren die vorhandenen Lücken ausgefüllt wurden und die Arbeit druckreif fertiggestellt ist. Ich kann nicht unterlassen, den Herren Geh. Hofrat Dr. Fr. Zarncke, Dr. Albr. Kirchhoff und F. Herm. Meyer für diese aufopfernde, mühselige Thätigkeit den aufrichtigen warmen Dank aller Hinterbliebenen auszusprechen.

Auf den Vorschlag der Historischen Kommission hat der Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler beschlossen, den ersten Band der Geschichte des Deutschen Buchhandels, ohne Rücksicht darauf, ob und wann der zweite Band geschrieben wird, drucken zu lassen. Die schönste Anerkennung für Friedrich Kapps Arbeit wäre es, wenn unter Benutzung des von ihm gesammelten Materials recht bald eine Fortsetzung und ein Schluß der Geschichte des Deutschen Buchhandels in seinem Sinne geschrieben würde.

Charlottenburg-Berlin, im März 1886.
Dr. Alfred v. d. Leyen.

Inhaltsverzeichnis

[XIX] Vorwort ... V


Erstes Kapitel.
Gutenberg und seine Vorläufer.
Erfinder und Entdecker am Ausgange des Mittelalters. – Anlehnung an die gewohnten Gestaltungen des Lebens. – Buchwesen und Handschriftenhandel des Altertums. – In Athen und Alexandrien. – In Rom und in den Provinzen. Massenproduktion. – Das frühe Mittelalter. Die Klöster. – Stationarii und Librarii der Universitäten. – Weltliche Schreiber. Brüder vom gemeinsamen Leben. – Handschriftenhandel in Deutschland. – Bibliotheken. Wert der Handschriften. Verwahrlosung derselben. – Die Renaissance. Erwachen der Bücherliebhaberei. Florenz als Hauptmarkt des Handschriftenhandels. – Gutenberg. – Abstammung, Jugend und Aufenthalt in Straßburg. – Seine mechanischen Arbeiten (Steinschleifen, Spiegelfabrikation). – Verträge mit Dritzehn und Heilmann. – Die „Künste und Afentur“. – Ende des Aufenthalts in Straßburg, Rückkehr nach Mainz. – Zeitpunkt der Erfindung der Kunst. Wesen derselben. – Die ersten Drucke. – Gutenbergs weitere Schicksale. – Technische Vollendung der ersten Drucke. – Gutenbergs Tod. Sein Charakter. – Bedeutung seiner Erfindung. – Äußeres der ersten Drucke. – Aufnahme der Kunst seitens der Gelehrtenwelt und Bücherliebhaber. – Anfängliche Stellung der Kirche zur Kunst. ... 1

Zweites Kapitel
Die Ausbreitung der neuen Kunst in Deutschland.
Städte und Bürgertum. – Mainz. Johann Fust und Peter Schöffer. Die andern mainzer Firmen bis 1622. – Bamberg. – Straßburg. Johann Mentel. Heinrich Eggestein. Ihre Nachfolger. Adolf Rusch. Johann Grüninger. – Köln. Ulrich Zell. Drucker des 15. Jahrhunderts. Gottfried Hittorp. Franz Birckmann und seine Nachfolger. Johann Gymnicus und seine Nachfolger. – Basel. Bedeutung der Stadt. Beteiligung des Kapitals. [XX] Berthold Ruppel. Buchdruckerstrike. Michael Wenszler. Bernhard Richel. Johann Amerbach. Kleinere Buchdrucker. Johann Froben. Frobens Nachfolger. Die Familie Petri. Johann Oporin. – Zürich. Christoph Froschauer. – Augsburg. Günther Zainer und die ältesten Drucker. Johann Bämler und Anton Sorg. Hans Schönsperger. Erhard Ratdolt. Johann Rynmann. Heinrich Steiner. Ad insigne Pinus. – Ulm. – Nürnberg. Die ersten Drucker. Anton Koberger. Die kleinern Buchdrucker. – Die „Brüder vom gemeinsamen Leben“. – Leipzig. Kunz Kachelofen. Pantzschmanns Buchhandel. Nickel Wolrabe. Ernst Vögelin. Henning Große. – Wien. Hieronymus Vietor und Hans Singriner. – Magdeburg. Drucker der Reformationszeit. – Tübingen. Thomas Anshelm. Slawischer Bücherdruck. – Wittenberg. Melchior Lotter. Hans Lufft. Die kleinern Druckstätten. ... 65

Drittes Kapitel.
Die Verbreitung der neuen Kunst im Auslande.
Der Wanderzug der deutschen Buchdrucker. – Schweinheim und Pannartz. – Deutsche Drucker in Rom. – In Venedig. – In den übrigen Städten Italiens. – Die Wanderdrucker. (Johann Neumeister.) – Deutsche Drucker in Frankreich. – Neumeisters weitere Wanderungen. – Verbreitung der Kunst in Frankreich. – Deutsche Drucker in Spanien und Portugal. – Buchdruck in den Niederlanden. – In England. – In Dänemark und Schweden. ... 180

Viertes Kapitel.
Das Äußere des Buchs.
Etymologie des Wortes. – Papyrusrollen. Codices. Wachstafeln. – Pergament. Palimpseste. Schreibmaterialien. Pergamenter. – Baumwollenpapier. – Linnenpapier. Papierindustrie. – Wasserzeichen. – Illustration der Handschriften. – Byzanz. – Irische Ornamentik. Abendländische Miniaturmalerei. – Form- oder Holzschnitt. – Printer, Karten- und Briefmaler. – Technik und erste Erzeugnisse des Formschnitts. – Der Holzschnitt als Buchillustration. – Signete und Ex-libris. – Buchillustration in Italien und Frankreich. – Büchereinband im Mittelalter. – Ornamentation der Lederbände. – Majoli und Grolier. – Der deutsche Büchereinband. Goldschnitt. – Die Buchbinder. ... 222

Fünftes Kapitel.
Der buchhändlerische Geschäftsbetrieb bis zur Reformation.
Zahl der Inkunabeln. Was sind Inkunabeln? – Verschiedene Geschäftszweige des buchhändlerischen Betriebes. – Schriftgießer. Goldschmiede sind Schriftgießer. Beispiele. Typen Eigentum des Verlegers. – Buchdrucker rekrutieren sich aus allen möglichen Klassen: Studenten. – Schönschreiber und Miniaturmaler werden Drucker. Bedingungen der Versöhnung. – Kein Unterschied zwischen Schreiber und Drucker in der Sprache. Beweise aus Augsburg. [XXI] Straßburg. – Drucker und Verleger trennen sich. – Kolporteure. Anschlagzettel; Beispiele. – Buchführer. Jahrmarktsbesuch. – Filialen. – Buchhändler und Drucker verwechselt. – Drucker selbst bestellen bei Dritten. – Aufträge von Privatpersonen an Drucker. – Verleger geben Druckern Aufträge. – Spezialitäten der einzelnen Drucker und Verleger der verschiedenen Länder. – Großkapital; Association (verschieden in Italien, Deutschland und Frankreich). – Buchläden (Verkauf von eigenem und fremdem Verlag). – Ältester Sitz der Sortimentsbuchhändler Augsburg. – Mitte des 16. Jahrhunderts der Buchhandel entwickelt. Usancen auf der Messe. Zahlung. – Honorar. Korrektoren. Tanner. – Honorar schimpflich (Erasmus und Hutten), später annehmbar. – Barzahlungen. Goldast. – Dedikationen. – Höhe der Auflagen. Ausgaben (theologische Litteratur). – Juristische Litteratur nach Stintzing. – Koberger. Briefwechsel mit Amerbach. – Schluß. ... 263

Sechstes Kapitel.
Der Buchhandel in seinem Verhältnis zum Humanismus.
Renaissance und Humanismus. – Phasen des Humanismus. – Humanistisch-theologische Periode. (Brüder vom gemeinsamen Leben.) – Humanistisch-wissenschaftliche Periode. – Ersamus. – Aldus Manutius. – Seine Verlagsthätigkeit. – Verbindungen mit den deutschen Humanisten. – Beziehungen zu Erasmus. – Zu Reuchlin. – Geschäftsbeziehungen zu Deutschland. – Geschäftliche Leistungen und Erfolge. – Johann Froben. Humanismus in Erfurt. – Die humanistisch-polemische Periode. Streit mit den Dunkelmännern. – Die Epistolae obscurorum virorum. – Schluß. ... 360

Siebentes Kapitel.
Luther.
(Die Reformation und der Buchhandel.)
Deutsch als werdende Litteratursprache. – Massenproduktion und Absatz von Luthers Schriften. – Wirkung derselben. – Luther und seine Verleger. – Die Bibelübersetzung. – Die Nachdrucker. (Gegenreformation in Österreich.) – Die Buchführer. – Volkstümliche Flugschriften. – Johann Herrgott. – Die Prädikanten. – Balthasar Hubmayer. – Die Schulen. ... 405

Achtes Kapitel.
Die frankfurter Messe.
Alter der Messe. – Auftreten des Buchhandels. – Peter Schöffer und die Baseler. – Mittelpunkt des deutschen Buchhandels um 1500. – Teilnahme der Italiener und Franzosen am Meßverkehr. – Die Reise zur Messe. – Leben und Weben auf derselben. – Besuch seitens der Gelehrten. – Geschäftsverkehr auf der Messe. – Der Meßkatalog. – Die Bücherproduktion von 1564 bis 1765. – Die Wirkungen des großen deutschen Kriegs. – Überwuchern des Nachdrucks. – Verkehrtheiten der Behörden. – Streben nach lokalem [XXII] Privilegienschutz. – Übergewicht und Überhebung des holländischen Buchhandels. – Verfall der deutschen Buchausstattung. – Der niederländische Buchhandel in seinen Beziehungen zum Meßverkehr. (Christoph Plantin. Die Elseviere.) ... 448

Neuntes Kapitel.
Die Büchercensur und die Preßverfolgungen.
Historische Einleitung. Das Altertum. – Verhalten der Kirche. Censurrecht der Universitäten. – Erstes Auftreten nach Erfindung der Buchdruckerkunst: Köln. – Vorgehen der Kirche ohne Rücksicht auf den Staat: Mainz. – Die Bullen Sixtus’ IV., Alexanders VI. und Leo’s X. – Das Wormser Edikt. Eintreten des Staats. – Die Reichs-Preßverordnungen. – Der Begriff des Libells und der Famosschrift. – Schwächliches Verhalten der Protestanten. – Censur in Österreich. – In Bayern. Katalog erlaubter Bücher. Verfahren gegen Schwenckfeldianer. – Die protestantischen Reichsstädte. Straßburg. Nürnberg. (Hans Sachs.) Augsburg. Ulm. Frankfurt a. M. – Basel. Zürich. – Die geistlichen Kurfürstentümer. – Böhmen und Schlesien. – Kurpfalz. – Brandenburg. – Sachsen. – Die kleinen Territorien. ... 522

Zehntes Kapitel.
Die frankfurter Bücherkommission.
Weltlage im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts. – Die Jesuiten. – Erste Andeutungen über die Kommission. Zweck derselben. – Kurzsichtigkeit des frankfurter Rats. – Definitive Einsetzung durch Rudolf II. – Allmähliches Hervortreten ihrer Ziele. – Rekonstruktion im Jahre 1608. – Widerstand von Kursachsen und Pfalz. – Weiterentwickelung der Übergriffe. – Personalien. – Direktes Eingreifen des kaiserlichen Hofs. – Die Pflichtexemplare. – Neubeginn der Bedrückungen nach dem Westfälischen Frieden. – Die Bücherkommissare Hörnigk und Sperling. – Die Büchertaxe. – Klagen über Schäden im Buchhandel. – Steigerung der Chikanen. – Auftreten der evangelischen Reichsstände. – Der Bücherkommissar Vollmar und seine neue Instruktion. – Vorbereitung einer Wandlung in den Geschäftsformen des Buchhandels. ... 608

Elftes Kapitel.
Der Nachdruck.
Bedeutung des Urheberrechts für den Buchhandel. – Spuren ausdrücklicher Anerkennung des Urheberrechts bei den Römern fehlen. – Klagen über den Nachdruck nach Erfindung der Buchdruckerkunst; Verlangen nach einem Schutz gegen den Nachdruck. – Schutz gewährt durch Privilegien des Kaisers, wie der Territorialherrschaften. – Kein rechtlicher Schutz des Urheberrechts ohne Privilegium. – Rechtliche Natur der Privilegien gegen den Nachdruck. – Gesetzliches Verbot des Nachdrucks. – Charakter des vom Gesetz verbotenen Nachdrucks. .. 736

[XXIII] Anhang.

Dokumente:

  • I. Beglaubigungsschreiben des frankfurter Rats, 3. Juni 1469 ... 759
  • II. Anzeige der Ausgabe von Hieronymi Epistolae, Moguntiae, Petr. Schoiffer de Gernssheym, 1470 (welche im Herbst 1470 wirklich erschien). ... 760
  • III. Schreiben des Rats der Stadt Frankfurt a. M. an den Rat zu Lübeck, eine Schuldforderung Peter Schöffers und Konrad Henckis an den lübecker Bürger Hans Bitz betreffend. 1. April 1480. ... 762
  • IV. Verkaufsbekenntnis Reinh. Türkhls ... 763
  • V. Anzeigen Mentelscher Drucke. ... 763
    Anzeige Johann Bämlers in Augsburg ... 765
  • VI. Schreiben des Rats von Köln an die Stadt Basel ... 765
  • VII. Ausgleichung des Gewinnes an der nach Vertrag vom 29. Dezember 1492 gemeinsam unternommenen Ausgabe der Hartmann Schedelschen Chronica mundi. ... 766
  • VIII. Verzeichnis der Drucke von Aldus Manutius. (Chronologisch geordnet.) ... 770
  • IX. Verzaichnis der Buchdrucker, Buchhendler vnd Buchfurer, so Inn der Herbstmeß Ao. 1569 den 14. Septembris durch E. E. Rath für beschieden worden. ...772
  • X. Reichs-Preßverordnungen. ... 775

Erläuterung der graphischen Tafeln zur Statistik des deutschen Buchhandels in den Jahren 1564 bis 1765. Von Fr. Zarncke. ... 786

Quellennachweise und Anmerkungen ... 810

Namen- und Ortsregister ... 855

Anmerkungen der Vorlage

  1. Die Sklavenfrage in den Vereinigten Staaten (Göttingen 1854), und: Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten (Hamburg 1861).
  2. Leben des Generals von Steuben (Berlin 1858); Leben des Generals Johann Kalb (Stuttgart 1862 und [englisch] Newyork 1884); Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika (Berlin 1864, 2. Aufl. 1872); Geschichte der deutschen Einwanderung in Newyork. 1. Bd. (1. bis 3. Aufl. Newyork 1867–69); Immigration and the Commissioners of Emigration. (Newyork 1870.)
  3. Es erschienen: Friedrich der Große und die Vereinigten Staaten von Amerika (Leipzig 1871); Aus und über Amerika (2 Bde. Berlin 1876); Justus Erich Bollmann (Berlin 1880). Außerdem zahlreiche Abhandlungen in verschiedenen Zeitschriften.
  4. Zwei eingehende Lebensbeschreibungen Friedrich Kapps sind bald nach seinem Tode veröffentlicht worden: Friedrich Kapp, Gedächtnißrede von Georg von Bunsen (49. Heft der Volkswirthschaftlichen Zeitfragen. Berlin 1885), und Friedrich Kapp, von H. von Holst (im LV. Bande der Preußischen Jahrbücher. Heft III. S. 217–264).