Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 03.djvu/002

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Ein berühmter Benediktiner, der Kardinal Johann Torquemada (Turrecremata), veranlaßte die Berufung der ersten deutschen Drucker nach Italien. Er war in seinen jüngern Jahren Kommendatarabt des etwa 14 Stunden östlich von Rom gelegenen Benediktinerklosters Subiaco gewesen. Unter den dortigen Mönchen befand sich um 1462 eine Anzahl Deutscher, welche durch ihre Erzählungen von der neuerfundenen Kunst in Turrecremata nicht allein eine große Begeisterung für den Bücherdruck erweckten, sondern auch den Wunsch in ihm rege machten, deutsche Setzer und Drucker nach Italien zu ziehen. Von ihm ermuntert, luden denn auch die deutschen Mönche zwei ihrer Landsleute ein, nach Subiaco zu kommen und im dortigen Kloster eine Druckerei zu errichten. Es waren dies Konrad Sweynheim (Schweinheim aus Schwanheim, einem am Main zwischen Mainz und Frankfurt gelegenen Dorfe) und Arnold Pannartz aus Prag, sehr geschickte, fleißige und für ihre Kunst begeisterte Schüler Gutenbergs. Schon 1463 oder 1464 müssen sie über die Alpen gezogen und in Subiaco zu Anfang 1464 angekommen sein, da ihr erster Druck, der Donat, von welchem indessen kein Exemplar auf unsere Zeiten gekommen ist, bereits gegen Ende 1464 erschien, während ihr Lactantius, ein Folioband von 368 Seiten, nur wenig später, am 29. Oktober 1465, ausgegeben wurde. Nach Fumagalli’s[1] gründlichen Forschungen ist es sogar gewiß, daß zu Anfang des Jahres 1465 zwischen diese beiden Bücher noch ein Cicero „De Oratore“ von 216 Seiten fällt. Daß Schweinheim und Pannartz ihre Typen nicht fertig gegossen mitgebracht haben, beweisen ihre Drucke, denn während in Deutschland zunächst nur gotische Typen gebraucht wurden, bedienen sie sich zuerst lateinischer Typen, der Antiquaschrift. Die Anfertigung der Matrizen, der Guß der Schriften, die Herstellung der Presse, kurz die vollständige Einrichtung der Druckerei muß unter diesen Umständen gewiß eine Zeit von anderthalb bis zwei Jahren in Anspruch genommen haben. Dem Eifer dieser Männer und ihren staunenswerten Leistungen entsprach jedoch nicht die Aufnahme, welche ihre Drucke in den litterarischen Kreisen Italiens fanden. Die Bücherliebhaberei war damals noch nicht so entwickelt, daß die Käufer, selbst wenn sie von der neuen Kunst gehört gehabt hätten, die beschwerliche Reise ins Gebirge gemacht haben würden. Sodann war die Verbindung des Klosters mit der Außenwelt zu spärlich, als daß sich von dort aus ein regelmäßiges Geschäft hätte aufbauen lassen. Die Bedürfnisse


Fußnoten

  1. Fumagalli, C., Dei primi libri a stampa in Italia. Lugano 1875.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 181. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_03.djvu/002&oldid=- (Version vom 1.8.2018)