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in Holz geschnitten hätten, zählt gegenwärtig wohl keinen Anhänger mehr. Unter anderm ist aufgeklärt, daß die neben dem Monogramm von schweizer Künstlern vorkommende Waffe keineswegs ein Schneidemesser vorstellen soll, sondern einen Dolch, und wahrscheinlich auf den Kriegsdienst des Künstlers anspielt.[1]

Die Holzschnittillustration gelangt zu wundervoller Blüte in Deutschland und in Italien um die Wende des 15. und des 16. Jahrhunderts. In den frühesten Erzeugnissen der Buchdruckerpresse sind noch die Räume für große Anfangsbuchstaben frei gelassen: der Formschneider war noch nicht im Stande, den Wettstreit mit dem Schreiber und Briefmaler in der Herstellung zierlicher Züge und Schnörkel aufzunehmen. Daher haben die „manung der cristenheit widder die Durken“ (Mainz 1455), die zweiundvierzigzeilige und die sechsunddreißigzeilige Bibel noch geschriebene, beziehungsweise gemalte Initialen. Aber in dem Fust-Schöfferschen Psalterium von 1457 zeigt sich jene Schwierigkeit bereits überwunden, ja, das Ornament, welches den Grund für die geschnittenen Buchstaben bildet und in eine vielfach verschlungene Randverzierung übergeht, und das Blattwerk, welches in dem ersten B ausgespart ist, übertreffen an Sicherheit und Schwung die gemalten Verzierungen in den vorausgenannten Büchern. Außerdem ist der zweifarbige Druck dieser Zierbuchstaben eine mit Recht angestaunte Meisterleistung. In den siebziger Jahren wandten dann Günther Zainer und Bämler in Augsburg und Johann Zainer in Ulm verzierte Initialen an. Die figürlichen Beigaben, z. B. in den Erzeugnissen Albrecht Pfisters in Bamberg (Boner’s „Edelstein“) blieben zunächst noch auf gleicher Höhe mit den Formschnitten der Blockbücher, wenn auch hier und da ein erhöhender Einfluß der gleichzeitigen Malerei, namentlich Schongauers, wahrzunehmen ist. Eine neue Periode des Illustrationswesens aber beginnt mit der Verlagsthätigkeit Anton Kobergers in Nürnberg. Der „Schatzbehalter“ von 1491 und Hartmann Schedels „Buch der Chroniken“ mit den Illustrationen von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff, 1493, sind noch heute eine Augenweide für den Kunstfreund. Wolgemuts Schüler, Albrecht Dürer, jedoch war es vorbehalten, der deutschen Holzschneidekunst den Weg vorzuzeichnen, auf welchen sie nach allen Abirrungen immer wieder zurückkehrt und zurückkehren muß. Denn seine Manier entspricht ebenso sehr der deutschen Art wie der Natur des Materials. Sie legt den


Fußnoten

  1. Vergl. Rumohr a. a. O. – Umbreit, Über die Eigenhändigkeit der Malerformschnitte. Leipzig 1840. – R. Weigel, Holzschnitte berühmter Meister. Leipzig 1851-1857. (Sämtlich für die Eigenhändigkeit.) – J. G. Unger, Fünf in Holz geschnittene Figuren etc. Berlin 1779. – Bartsch, Peintre-graveur. VII, 19. – Derselbe, Anleitung zur Kupferstichkunde. I, 596 fg. – Passavant, Peinte-graveur. I, 66 fg. – Thausing, Dürer. Leipzig 1876. S. 198 fg. – Woltmann, Holbein. Leipzig 1874. S. 189 fg.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 245. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_04.djvu/024&oldid=- (Version vom 1.8.2018)