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verbundene Schilde hängen an einem Ast, rechts (heraldisch) derjenige Fusts mit zwei schräg übers Kreuz gelegten, an den Enden Widerhaken tragenden Stäben (Doppelhaken), links der Schöffers mit einem durch zwei Doppelhaken gebildeten Sparren und drei Sternen.[1] Bei Schöffers Sohn Johann erscheint dasselbe Zeichen nebst seinen Initialen bereits in eine figürliche Komposition, Schäfer mit ihren Herden, eingefügt.[2]

In der von Dürer für das Titelblatt von Pirckheimers „Plutarch“ gezeichneten Knotenbordüre findet sich das Zeichen des Friedrich Peypus in Nürnberg: ein Würfel mit dem Motto Ratio vincit und die Jahreszahl 1522.[3]

Für Johann Bebel in Basel zeichnete Holbein die sogenannte Palma Bebeliana, einen Palmbaum, auf dessen Zweigen eine Platte lastet; die früheste Form zeigt noch einen in den Zweigen auf dem Rücken liegenden nackten Menschen, der sich gegen die Platte stemmt, und an der letztern die Worte: Verdrvck mich Armen nit[4]; – für Valentin Curio daselbst mehrmals die sogenannte Tafel des Parrhasios mit der, einen Pinsel führenden Hand[5]; – für Matthias Bienenvater in Bern einen den Honigbaum besteigenden Bären, zugleich Anspielung auf den Namen und auf den Wohnort[6]; – für Christoph Froschauer (Froschover) in Zürich mehrere Signete mit Fröschen, die bald auf einen Baum klettern, bald von Knaben geritten werden[7]; für Thomas Wolff in Basel einen Gelehrten, welcher den Finger auf den Mund legt[8]; – für den vielleicht derselben Familie angehörenden Reinhold Wolfe in London später (1543) den von einem Schriftbande umschlungenen Apfelbaum, den Knaben plündern[9]; – für Henric Petri in Basel um 1528 einen Fels, aus dem eine Hand mit dem Hammer Funken schlägt, die vom Winde angefacht werden[10] (Sebastian Henric Petri der Jüngere ließ sich um 1576 dasselbe Motiv von Tobias Stimmer zeichnen.[11]) Das Signet Johann Frobens in Basel: ein von zwei Händen gehaltener, von zwei Schlangen umwundener Stab, auf dem eine Taube sitzt (Anspielung auf Matth. 10, 16), wird von Woltmann dem Hans Holbein ab- und dessen Bruder Ambrosius zugesprochen.[12]

Der Gegenstand ist interessant genug, um ihn auch ohne Rücksicht auf die erwiesene oder vermutete Mitarbeit berühmter Künstler zu verfolgen, soweit deutsche Drucker und Verleger dabei ins Spiel kommen.


Fußnoten

  1. Häufig reproduziert, z. B. in Falkenstein, Geschichte der Buchdruckerkunst, S. 144, mit der Schlußschrift P. Schöffers zu seiner Ausgabe von Justinians Institutionen von 1468. Direkte und indirekte Nachahmungen dieses Signets begegnen häufig, so bei Gerard Leeu in Gouda und Antwerpen, 1477-1492 (Abbild. in Silvestre, Marques typographiques. Paris 1853, 1867. Nr. 120), und das Befestigen eines oder zweier Schilde an einem Ast blieb lange im Gebrauch.
  2. Abbildung in Butsch, Die Bücherornamentik der Renaissance. I, 79.
  3. Abbildung in Butsch a. a. O. I, 35.
  4. Abbildungen in Dibdin, Bibliographical Decameron. London 1817. II, 191. – Butsch a. a. O. I, 50, 51, – Eine rohe Nachahmung dieses Signets bei Anton Bonnemère in Paris, 1507-1544, mit der Devise: Nosce te ipsum. Abbild. in Silvestre a. a. O. 1130. Eine Palme mit einem Felsstück und der Devise: Inclinata resurgo war das Emblem des Francesco Maria II. von Urbino, 1571-1631.
  5. Von Parrhasios, aber auch von Apelles, wird ein Wettstreit mit Protogenes erzählt, welcher darauf hinausläuft, daß der eine Künstler eine feine Linie gemalt, der andere auf diese eine noch feinere gesetzt habe, oder daß zwischen zwei fast unmittelbar aneinander gezogenen Linien noch eine dritte angebracht worden sei. – Abbildungen in Dibdin a. a. O. II, 189; Butsch a. a. O. I, 50.
  6. Abbild. Dibdin a. a. O. II, 202.
  7. Abbild. Dibdin a. a. O. II, 200; Butsch a. a. O. I, 50.
  8. Abbild. Dibdin a. a. O. II, 296.
  9. Abbild. im Archiv für die zeichnenden Künste. II, 138; Woltmann, Holbein. I, 402.
  10. Abbild. Butsch a. a. O. I, 61.
  11. Abbild. Butsch a. a. O. I, 93; Silvestre a. a. O. 1246. 1274.
  12. Abbild. Butsch a. a. O. I, 63. Das Signet Hieronymus Frobens: dasselbe Emblem an einem Baume mit Kugelschnüren, Putten etc. bei Lempertz, Bl. VII.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 248. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_04.djvu/027&oldid=- (Version vom 1.8.2018)