Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 04.djvu/031

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Die besonders kostbaren Einbände waren ohne Zweifel zu Geschenken an Kirchen und Klöster bestimmt – von vielen läßt es sich noch nachweisen – und derartig ausgestattete Bücher sollten auch nicht sowohl gebraucht werden, als zum Schmucke des Hauptaltars dienen. Erwähnt seien nur das Missale im Dom zu Monza, von der Königin Theodolinde um 600 gewidmet, die von Papst Leo III. bei seiner Thronbesteigung 795 an verschiedene Kirchen geschenkten Evangeliarien, ein solches um 855 vom Kaiser Michael Porphyrogenetes an die Peterskirche in Rom gesandt, das von der Kaiserin Theophanu 973 der Abtei Echternach verehrte (jetzt in Gotha), die in München befindlichen prachtvollen Chorbücher, welche Heinrich II. nach Bamberg schenkte u. s. w. Um wertvolle Werke gegen Diebstahl zu wahren, befestigte man sie durch Ketten an dem Tische, dessen Platte drehbar eingerichtet war, wenn das Buch zu großes Gewicht hatte. Catenati, angekettete, war der Ausdruck für solche angeschlossene Bücher. Die Ansicht der Bibliothek zu Leyden bei Lacroix, „Le Moyen-âge et la Renaissance“, gibt eine Vorstellung von diesen Einrichtungen. Allein auch gegen die Abnutzung bedurfte der künstlerisch behandelte Einband eines Schutzes, und deshalb erhielt er einen Stoffüberzug, das Hemd (camisia) genannt, welches mit der Zeit selbst wieder Gegenstand des Luxus, aus Seide, Goldbrokat, Damast, Sammet angefertigt oder mit Perlen besetzt, auch gefüttert wurde, und endlich selbst wieder eine Hülle oder Kapsel verlangte. Breviere und Gebetbücher von kleinerm Format wurden mit einer beutelartigen Verlängerung der Deckelbekleidung versehen, dem Buchbeutel, welcher es ermöglichte, das Buch am Gürtel zu tragen. Einzelne solcher Bücher mit Beutel sind noch vorhanden, so eines in Leder im Germanischen Museum, eines in Sammet in der ambraser Sammlung u. s. w. Aus Buchbeutel, niederdeutsch Booksbüdel, wurde später Bocksbeutel gemacht, als Spottname für pedantische Gelehrsamkeit und altfränkisches Wesen.[1] Die eigentliche Form des Buchbeutels ist z. B. an dem Gebetbuche der Jungfrau im genter Altarbilde ersichtlich. Der Stoff geht ringsum über den Deckel hinaus, auf der untern Seite breiter als auf den andern, an den Zipfeln sind Knöpfe angebracht und wenn diese Zipfel miteinander verschlungen wurden, befand sich das Buch in der That wie in einem Beutel. Dagegen endigt an dem Exemplar des Germanischen Museums[2] nur der obere Überschuß des Lederbezugs in einen Knopf aus Riemen.


Fußnoten

  1. Wattenbach a. a. O. S. 229.
  2. Abbild. Anzeiger des Germ. Museums 1884. Nr. 6, 7.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 252. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_04.djvu/031&oldid=- (Version vom 1.8.2018)