Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 04.djvu/038

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Bergspitze zieht, Portio mea Domine sit in terra viventium, Tanquam ventus est vita mea, Nec herba nec arbor mit einem Stachelbeerbusch (groseillier – grolier). Grolier soll auch zuerst den Titel auf dem Rücken eines Buchs angebracht haben, was durch die größere Zahl der Bücher und das Aufrechtstellen, nicht mehr Legen, derselben in Bibliotheken notwendig gemacht wurde.

Direkt und indirekt beeinflußte er den Bindestil seiner und der nächstfolgenden Zeit in Frankreich, wo Diana von Poitiers, Heinrich II.[1] und fast alle spätern Regenten Beschützer dieses Kunstzweigs waren.

In Deutschland hielt die Vorliebe für geprägte und gepreßte Ledereinbände vor; namentlich übertrug man die in die Mode kommenden Frontispice, architektonischen Umrahmungen u. s. w., sowie Bildnisse aus den Büchern selbst auf die Einbände. Auch hier machen sich verschiedene Fürsten als besondere Schätzer der Einbindekunst bemerklich, wie Kaiser Maximilian I., Herzog Albrecht V. von Bayern und unter den sächsischen Fürsten vorzüglich Kurfürst August. In Sachsen wurden insbesondere die Einbände mit Lackmalerei in großer Vollendung hergestellt, und es ist wohl nicht zufällig, daß dortzulande auch Thonkrüge mit farbigen und vergoldeten Brustbildern entstanden sind, welche im Stil große Verwandtschaft mit den Bildnissen fürstlicher Personen auf sächsischen Einbänden zeigen. Der Dreißigjährige Krieg zerstörte auch diese Blüte, und als die Künste des Friedens wieder gedeihen konnten, war inzwischen die Herrschaft der französischen Mode begründet worden. Merkwürdigerweise kehrte im 16. und 17. Jahrhundert noch einmal der Geschmack zu den durchbrochenen Metalldecken zurück, welche in Leipzig gegen Ende des 16. Jahrhunderts in vorzüglicher Goldschmiedarbeit, in Wittenberg und Dresden (?) in ausgesägten Messingplatten, wie sie noch lange nachher zum Belegen von Kassetten beliebt blieben, in Nürnberg aus geschnittenem Eisen hergestellt wurden.[2]

In der Zeit der Hochrenaissance kam ferner das Vergolden des Schnitts in Übung, welchen man jedoch meist nicht glatt ließ, sondern mittels der Punzen musterte; bald laufen Bordüren längs allen Seiten des Schnitts hin, bald ist dieser gänzlich mit geometrischen oder Pflanzenornamenten bedeckt. Auch wurde die Malerei zu Hilfe gerufen und eine besondere Force darin gesucht, daß figurale und landschaftliche unter dem


Fußnoten

  1. H D D verschränkt und ein Halbmond oder drei verschränkte Halbmonde, die häufig auf französischen Einbänden aus dieser Zeit zu sehen sind, werden auf Henri deux und Diana von Poitiers gedeutet, H und C verschränkt auf Henri deux und Catharine Medicis, doch sind die Erklärungen dieser auch in der Dekoration des Schlosses Anet, auf Oiron-Gefäßen und anderweitig vorkommenden Monogramme nicht ganz sichergestellt. Vergl. über französische Buchbindung: Marius Michel, La reliure française. Paris 1880.
  2. Steche, Zur Geschichte des Bucheinbands. Dresden 1877.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 259. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_04.djvu/038&oldid=- (Version vom 1.8.2018)