Seite:Geschichte des Dt Buchhandels 1 05.djvu/026

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volumina“ drucken[1], aber nicht unter die Zahl derjenigen gerechnet werden, welche „vernaculas catiunculas imprimunt“, kümmerte sich auch nicht um die Flugschriften-Litteratur. Wie Froben gegen die Reformation wirkt, so widmet ihr die Familie Petri ihre Pressen. Dem bekannten hagenauer Drucker Heinrich Gran, der übrigens meist für Rynmann druckte, mußte sein Korrektor Wolfgang Angst 1514 geloben, sich nicht wie die übrigen Deutschen, die Baseler ausgenommen, mit „libellis semidoctorum“, sondern nur mit „autores principes et integra volumina“ zu befassen.[2] Thomas Anshelm dagegen, einer der bedeutendsten humanistischen Buchdrucker, verschmäht auch das kleinste Flugblatt nicht[3] und verlegt unter den von ihm gedruckten 56 Werken nur drei, welcher der Theologie angehören. Diese auf gut Glück herausgegriffenen Beispiele könnten natürlich leicht durch hundert andere vermehrt werden.

In den ersten Jahrzehnten der Ausübung der Kunst war die große Mehrzahl der deutschen Drucker mehr auf ihren Fleiß als auf ihre baren Mittel angewiesen. Mit ihrem geringen Vorrat von Typen konnten sie immer nur ein Buch drucken, mußten dies dann erst vertreiben und oft, nur von der Hand in den Mund lebend, ihre Preßerzeugnisse um jeden Preis losschlagen. Dazu kam, daß nicht selten in nächster Nachbarschaft dasselbe Werk gedruckt wurde, und daß diese Konkurrenz mit ihrem vielleicht einzigen Verlagsartikel sie vielfach zwang, sogar unter dem Selbstkostenpreise zu verkaufen. Was konnte da den kleinen Verlegern die sich ihnen bald genug aufdrängende Erkenntnis nützen, daß bei größerm Verlag sich die Vertriebskosten verhältnismäßig verminderten, die Einnahmen dagegen wuchsen, da ein neuer Artikel zugleich den Absatz des alten förderte? Dieser Not machte erst die Beteiligung des Großkapitals ein Ende. Die Kapitalisten stehen einer neuen Erfindung anfangs meist scheu, wenn nicht ablehnend, gegenüber. In Mailand und Venedig, den größten damaligen italienischen Handelsstädten, fingen sie zuerst an, die Bedeutung und Entwickelungsfähigkeit des Verlagshandels zu würdigen, und trugen, indem sie ihr Geld dem neuen Geschäftszweige zuwandten, mächtig zu dessen Aufblühen bei; Deutschland aber, mit Basel, Augsburg und Nürnberg an der Spitze, folgte bald dem von Oberitalien gegebenen Beispiel. So traten denn schon in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts große Druckereien und Verlagsgesellschaften ins Leben; schon damals begann eine Verlagsthätigkeit im modernen Sinne des


Fußnoten

  1. Derselbe a. a. O. S. 79.
  2. Derselbe S. 140 u. 141.
  3. Steiff, K., Der erste Buchdruck in Tübingen (1498–1534). Tübingen 1881. S. 44.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 288. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_05.djvu/026&oldid=- (Version vom 1.8.2018)