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Auflagen dieser Nachdrucke beweisen, daß sie bessern Absatz fanden als die schönern Originalausgaben selbst. Wenn zwar den unlautersten Motiven ihren Ursprung verdankend, so haben doch auch diese Nachdrucke das Studium der Alten mächtig gefördert und wenigstens die Anforderungen nicht wieder heruntergedrückt, welche seit den Aldinen an Texteskritik und äußere Ausstattung gestellt wurden.

Auch Thomas Anshelm in Tübingen druckte im März 1514 unter anderm die Aldinische Ausgabe der Erasmischen Sprichwörtersammlung für Ludwig Horncken in Köln nach. Was Erasmus besonders dabei schmerzte, war der Umstand, daß der weniger Erfahrene sie für einen Originaldruck des berühmten Venezianers halten konnte. Denn Anshelm hielt sich bei allen Nachdrucken Aldinischer Ausgaben stets sklavisch an die Vorlage; strebte er doch nach dem Ruhm, der deutsche Aldus zu heißen.[1] Außerdem hatte er im März 1512 die Lateinische Elementargrammatik, Aldus’ eigene Arbeit, und im Juli einen Teil der von demselben schon 1495 veröffentlichten Grammatik des Lascaris, „De literis graecis ac diphthongis“ nachgedruckt. Die 1508 erschienenen vier Bücher der lateinischen Grammatik von Aldus, welche Anshelm im April 1516 ebenfalls herausgab, enthalten zwar zum Teil eine Bearbeitung für deutsche Studierende, sind aber wiederum so genau abgedruckt, daß selbst das auf dem Titel mit angeführt wird (de literis graecis), was Anshelm in seiner Ausgabe wegließ. Trotzdem hat sich Aldus nie über Anshelms Nachdrucke beschwert, sie anscheinend gar nicht beachtet, offenbar deshalb, weil sie ihm gar nicht oder nur wenig geschadet haben.

Nach Aldus’ Tode führte Andrea Torresani aus Asola, sein Schwiegervater, das Geschäft bis 1529 für Rechnung der Erben unter der Firma „In Aedibus Aldi et Andreae Soceri“ fort. Andreas starb in diesem Jahre und Paul Manutius, der dritte Sohn des Aldus, übernahm nun bei seiner im Jahre 1533 erreichten Großjährigkeit das Geschäft unter der Firma „In Aedibus heredum Aldi et Andreae Asolani Soceri.“ Dieses Verhältnis, welches übrigens nur wenige Verlagswerke entstehen sah, dauerte bis 1540, von wo ab „Aldi Filii“, Sohn und Enkel des berühmten Gründers, die Druckerei fortsetzen. Beide waren Gelehrte ersten Ranges. Paul stand jahrelang einer in Rom errichteten großen päpstlichen Offizin vor und starb 1578. Sein Sohn, der 1547 geborene


Fußnoten

  1. Steiff, K., Der erste Buchdruck in Tübingen. Tübingen 1881. S. 106.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 386. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_06.djvu/027&oldid=- (Version vom 1.8.2018)