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Die Leistungen der Elseviere aber waren erstaunlich und bis dahin unerhört. Abgesehen von 2737 lateinischen Dissertationen, welche sie als Universitätsdrucker in Leyden von 1654 bis 1712 drucken, veröffentlichten sie im ganzen 2093 Verlagsartikel, deren Hauptzahl mit 462 auf Bonaventura und Abraham in Leyden und deren höchstnächster Betrag mit 415 Werken auf Daniel in Amsterdam fällt.[1] Und was für Werke! Sie stehen heute noch mit ihren feingestochenen Titeln, ihrem niedlichen Duodez- und Sedezformat, ihrem vortrefflichen Papier, ihren reinen Schriften und ihrem korrekten Text unübertroffen da. Ihr Typengießer Christoph van Dyck ist einer der größten Meister seiner Kunst, ihre Textkritiker gehören zu den ersten Gelehrten des damaligen Europa, wie Daniel und Nikolaus Heinsius, Holstenius, Voß, Gruterus u. a. Die Elseviere druckten in allen, am liebsten aber in kleinen Formaten. Ihr Cäsar in Folio (1635) ist ein Prachtwerk ersten Ranges, ihre Quart- und Oktavausgaben sind ebenso musterhaft wie ihre Klassiker in Duodez. Die erste (Folio-)Ausgabe des „Corpus juris“ gilt als das schönste aus den Pressen des amsterdamer Hauses hervorgegangene Buch. Zu den alten Klassikern, welche eine Bibliothek für sich bilden, kamen nun noch Werke der schönen Litteratur, wie Boccaccio, die französischen Dichter Corneille, Racine und Molière, Romane und Schriften von Balzac etc., staatsrechtliche Untersuchungen von Machiavelli, Hugo Grotius und Milton, Geschichtswerke von Brantome, Frossard und Sleidan, politische Pamphlete, religiöse und philosophische Schriften von Erasmus, Melanchthon und Calvin, Baco, Descartes und Hobbes, holländische und französische Prachtbibeln in Folio, Wörterbücher und Grammatiken, zehn verschiedene Ausgaben der Justinianischen Institutionen und zwei Ausgaben des vollständigen „Corpus juris“, deren erste oben angeführte in Folio und deren zweite in Octav innerhalb eines Jahres (1663/1664) aufeinander folgten. Jeder neue Verlagsartikel der Elseviere galt als ein Ereignis in der gelehrten Welt, und wurde es daher – trotz ihrer schon betonten Schäbigkeit betreffs des Honorars – als eine große Ehre angesehen, von ihnen verlegt zu werden.

Während die alten Pedanten in Holland und Deutschland, wie De Put, Nikolaus Heinsius und Joh. Fr. Gronovius, die Elseviersche Ausstattungsweise als zu glänzend und üppig tadeln, können sich andere hervorragende Schriftsteller in ihrem Lobe über den Geschmack und die


Fußnoten

  1. Daselbst S. LI.


Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Kapp: Geschichte des Deutschen Buchhandels Band 1. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, Leipzig 1886, Seite 516. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_des_Dt_Buchhandels_1_08.djvu/069&oldid=- (Version vom 1.8.2018)