Seite:Grandison der Zweite 3.pdf/141

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es so gut als ausgemacht, daß Sie in kurzer Zeit als ein zweiter Melanchthon communis doctor germaniae seyn werden. Ja ich sehe in meiner angenehmen Vorstellung Kargfeld schon in ein Athen verwandelt. Ich gehe Stundenlang in meinem Zimmer mit einer lächelnden Mine auf und nieder, wenn ich in diesen Enthusiasmus gerathe, und alsdenn wirkt meine Einbildungskraft so lebhaft, daß ich weder höre, sehe, schmecke, fühle, noch rieche, und wenn mir wie den Ritter Marino eine glühende Kohle auf dem Fuß fiele, so würde ich es eben so wenig als dieser empfinden. Ich verwandele das Schloß des Herrn v. N. in ein prächtiges Athenäum, die Versammlung der Gemeinde unter der Linde wird ein ehrwürdiger Areopagus, der Kirchthurm eine Sternwarte, das Wirthshaus eine Realschule, und es fehlet mir nichts als der Zauberstab der Circe, um allen diesen schönen Vorstellungen die Wirklichkeit zu geben. Sie haben meinen Ehrgeiz nicht wenig geschmeichelt, daß Sie mir unter dieser

Empfohlene Zitierweise:
Johann Karl August Musäus: Grandison der Zweite, Oder Geschichte des Herrn v. N *** in Briefen entworfen. Band 3. Michael Gottlieb Griesbach, Eisenach 1762, Seite 139. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Grandison_der_Zweite_3.pdf/141&oldid=- (Version vom 1.8.2018)