Seite:Hartung Geheimbuch eines deutschen Handelshauses.djvu/3

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Freilich fehlte dieser Blüte der Wurm nicht; die Neigung zu gewagten Finanzoperationen, welche die Kreditbedürftigkeit geistlicher und weltlicher Machthaber nährte und gross zog, tritt auch hier zu Tage. Aber dies verhinderte doch nicht, dass andererseits gerade der eigentliche Warenhandel in dieser dreissigjährigen Periode ebenfalls eine dauernde Ausdehnung erfuhr, die auf den Unternehmungsgeist seiner Träger ein glänzendes Licht wirft und es immer wieder zweifelhaft erscheinen lässt, ob jene, in neuerer Zeit so oft in den Vordergrund gerückten Geldgeschäfte, ihr Gelingen und Fehlschlagen, auf die Gesamtlage des deutschen Handels wirklich von ebenso grossem Einfluss gewesen ist wie vielleicht auf das Schicksal einzelner hervorragender Firmen.

Die Gesellschaft hatte als Sitz und Zentralstätte ihrer Unternehmungen Augsburg, um welches sich ein Kranz mehr oder weniger bedeutender Filialen gruppierte. Als im Jahre 1533 zum ersten Male Abrechnung gehalten wurde, besass sie Niederlassungen in Nürnberg, Antwerpen, Venedig, Ulm und Köln, wo von ihr im Verein mit anderen vornehmlich der Seidenhandel betrieben wurde; ausserdem war sie an bergmännischen Unternehmungen in Schwatz und Joachimsthal beteiligt. Mit der Zeit traten aber hierin erhebliche Aenderungen ein, indem eine grosse Anzahl neuer Filialen begründet wurde, während man andererseits auch ältere Niederlassungen bisweilen eingehen liess. Hierüber giebt die folgende tabellarische Zusammenstellung Auskunft, welche die Zweigniederlassungen namhaft macht und zugleich, um ihre relative Bedeutung erkennen zu lassen, nach den Jahren der Abrechnung geordnet, die Gesamtsumme der Aktiva jeder Filiale, den sogenannten „Reichtum“, in fl. hinzusetzt, über welche die einzelnen Geschäftsstellen zur Zeit der Generalrechnung an Warenvorräten, Aussenständen, barem Gelde und Immobilien, nach Abzug etwaiger Passiva, verfügten. Diese Zahlen sind dem Geheimbuch selbst entnommen.