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auf dem Kopf, in jeder Hand einen Geranientopf, mit einem entzückenden Begrüßungsspruch, der anfing: „Willkomm, willkomm“, den Gast. Sie tat alles mechanisch und schaute in jedem unbewachten Augenblick sehnsüchtig zum Walde hinüber.

Dieser Graf Bodo, in roter Husarenuniform, machte einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck mit seinen unsteten Augen und einem Zug von Brutalität und Verschlagenheit um den Mund. Sein forciert liebenswürdiges Benehmen konnte nicht das Unbehagen, das man in seiner Gegenwart empfand, verscheuchen.

Der Widerwillen und das Mißtrauen gegen den Grafen Bodo wuchs mit jedem Augenblick bei Lilli.

Graf Eberhard nahm nach der Empfangszeremonie seinen Besuch in sein Privatkontor, um die geschäftliche Seite der Verbindung Bodos mit seiner Tochter zu besprechen.

Lilli benutzte diesen Augenblick, um mit ihrem Einmachglas in den Wald zu verschwinden. Es waren wohl nicht die Kaulquappen allein, die sie in den Wald trieben.

Es war ein prächtiges Mahl gerichtet auf Schloß Felsenhorst. Ein Mahl von üppiger Fülle und Verschwendung. Acht Gänge. Ein Fanfarenstoß zeigte den Beginn an. Man versammelte sich in dem Speisesaal im Stile Pipins des Kleinen.

Es war bereits seit dem Fanfarenstoß eine halbe Stunde vergangen. Lilli war noch nicht erschienen. Die Eltern wurden unruhig. Im Grafen Eberhard gärte es. Man sandte Boten im Schloß und im Garten herum. Graf Bodo kaute an seinem schwarzen, gewichsten Schnurrbart. Das Roastbeef bekam eine Kruste.

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Harry Schmitz: Buch der Katastrophen. Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1916, Seite 71. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_Harry_Schmitz-Buch_der_Katastrophen-1916.djvu/069&oldid=- (Version vom 1.8.2018)