Seite:Hermann Harry Schmitz-Buch der Katastrophen-1916.djvu/156

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Zehn Minuten mochte man gefahren sein.

Päng klirr! Ein Ziegelstein flog plötzlich klirrend in ein Fenster, daß die Scherben nur so flogen. Er riß einem Gendarmen den Helm vom Kopf und prallte am Busen einer äußerst korpulenten Milchfrau, ohne ihr Schaden zu tun, ab. Ein zweiter Ziegelstein traf in einen Korb mit Eiern, den ein altes Bäuerlein auf dem Schoße hielt. Es war wie die Explosion einer Granate. Nach allen Seiten spritzten die geplatzten Eier. Niemand im Wagen wurde verschont.

Julie Briendöpke hatte einen Dotter im Auge und einen Nervenschock. Ein alter Herr war glänzend mit Eiweiß überzogen, welchen Stoff er sowieso schon selbst in hohem Prozentsatz produzierte. Der Gendarm sah aus wie Rührei mit Schinken, was ihn aber nicht hinderte, sofort heldenmütig seine Pistole und sein Seitengewehr zu ziehen.

Wüste Trunkenbolde, die keine Autos und Bankguthaben hatten, warfen haßerfüllt diese Ziegelsteine. Der Waffenübermacht des Gendarmen gelang es, die Revolution niederzuschlagen. Vor allem wurden die Augenzeugen notiert.

Julie Briendöpke war dem Wahnsinn nahe. Aber, Gott sei Dank, der Wagen fuhr wenigstens mit beschleunigtem Eiltempo weiter. Vielleicht, vielleicht gelang es noch! Sie flehte inbrünstig zu allen guten Geistern.

Ein Ruck! Plötzlich, in voller Fahrt, stoppte der Wagen! Die Insassen schlugen mit den Köpfen zusammen, mit holzigem Klang, wie wenn man Kegelkugeln aneinander schlägt. Ein neues Unheil!

Über den Schienen lag ein totes Pferd!

Empfohlene Zitierweise:
Hermann Harry Schmitz: Buch der Katastrophen. Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1916, Seite 158. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_Harry_Schmitz-Buch_der_Katastrophen-1916.djvu/156&oldid=- (Version vom 1.8.2018)