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Ein schrecklicher, spitzer, fahlgelber Kopf streckte sich ihm aus dem Dunkel entgegen, und eine schleppende, schleimige Stimme fragte leise: „Ist da jemand?“

Ich zitterte vor Angst in Erwartung eines furchtbaren Dramas in meinen Tiefen.

Das Auge war im ersten Augenblick vor Schrecken sprachlos, faßte sich jedoch bald, ging auf die seltsame Erscheinung zu, machte eine tadellose Verbeugung und stellte sich vor: „von Auge!“ Worauf es klebrig zurückklang: „Friedel Darmstädter, Bandwurm! Es ist mir eine große Ehre, Ihre Bekanntschaft zu machen, eine große, überaus große Ehre. Ich lege mich Ihnen zu Füßen. Womit kann ich Ihnen dienen? Sie müssen nur ein wenig Nachsicht mit mir haben, mein Verehrtester, ich fühle mich heute nicht so recht wohl. Es muß wohl am Wetter liegen, nichts will mir so recht schmecken.“

„Gott, das ist ja eigentlich auch kein Wunder in dieser Atmosphäre. Da wird ja ein Gesunder krank,“ antwortete das Auge; „ich begreife Sie wirklich nicht, wie Sie es als ein Mann von Geschmack hier aushalten können.“

„Und Sie,“ forschte der Bandwurm, „wollen Sie sich dauernd hier niederlassen?“

„Daß mich der Himmel bewahre! Nur auf der Durchreise, zum Vergnügen bin ich hier,“ protestierte das Auge.

Dann fing das Auge an, von der Welt draußen zu erzählen. Von dem Jagen und Hasten der Menschen nach Gold und Ehren. Von dem hohen Lied der Uniformen und der besternten, goldgestickten Fräcke. Von der Zukunft, die allen denen offen stehe, die ein gütiges Geschick ohne Rückgrat auf die Welt kommen ließ. Wie

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Hermann Harry Schmitz: Buch der Katastrophen. Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1916, Seite 223. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hermann_Harry_Schmitz-Buch_der_Katastrophen-1916.djvu/221&oldid=- (Version vom 1.8.2018)